Deutsch-russische Beziehungen
Schlittenfahrten im sibirischen Schnee

Auf Wladimir Putin kann sich Gerhard Schröder noch verlassen: Zehn Tage vor der Wahl am 18. September kommt der Kremlherr noch einmal eigens zu einem Treffen mit dem Bundeskanzler nach Deutschland.

HB MOSKAU. Das gemeinsam dabei voranzutreibende Projekt einer Erdgas-Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland soll die Wirtschaftskompetenz des Amtsinhabers untermauern. Das ebenso dabei zu verhandelnde Thema einer gemeinsamen Strategie zum Abwenden eines Iran-Krieges soll den Kanzler kurz vor dem Urnengang auch außenpolitisch punkten lassen. Schon gegen den Waffengang im Irak standen beide Länder eng beisammen in ihrer Kritik an den USA.

Schröder weiß, dass Russland ihm nützt: "Die deutsch-russischen Beziehungen sind so gut wie nie." Das Lob stammt nicht aus eigenem Munde, sondern von Klaus Mangold, dem Chef des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft. Der ließ dem Kanzler auch anhaltenden Applaus der an Russland interessierten deutschen Unternehmerschaft auf einem Investorentag zuteil werden. Der CDU-Rivalin Angela Merkel schrieb Mangold zugleich ins Stammbuch: Die deutschen Firmen seien an einer Fortsetzung des Schröderschen Russland-Kurses interessiert - ebenso Moskau: "Putin setzt auf Kontinuität und einen kräftigen Dialog mit der deutschen Wirtschaft", fasst Mangold die vielen Gespräche mit dem Kremlchef zusammen.

Denn während unbeachtete Menschenrechtsfragen Ärger beim grünen Koalitionspartner hervorriefen, präsentierte sich Schröder bei seinen Beziehungen zu Russland als Genosse der Bosse: Immer wieder reisten deutsche Wirtschaftskapitäne im Schlepptau des Kanzlers zum Unterzeichnen von Milliardenaufträgen gen Osten. Für Siemens mit ICE-Zügen, den Handelskonzern Rewe mit seinen Ost-Expansionsplänen und BASF mit seinem gigantischen sibirischen Gasprojekt wurde der SPD-Politiker dabei zum Türöffner. Zugleich lud er auch russische Konzernlenker zum Essen ins Kanzleramt. Aufträge für deutsche Maschinenbauer sichern schließlich Arbeitsplätze in Deutschland. Und: Russisches Öl ist meist zwei Dollar pro Fass (je 159 Liter) billiger als die Nordsee-Mischung Brent.

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