DEUTSCHE BAHN
Attacke statt Mäßigung

Der Chef der Lokführer-Gewerkschaft, Manfred Schell, fährt einen Schlingerkurs. Erst gibt er sich nett und lässt die ursprünglich für Donnerstag angesetzten Streiks im Nahverkehr der Deutschen Bahn aussetzen.
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Es wirkte wie eine noble Geste für das am Abend angesetzte Spitzengespräch der Lokführer-Gewerkschaft mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller.

Doch das war schon genug der Freundlichkeiten. Unabhängig vom Ausgang des Spitzentreffens soll nun Freitag den ganzen Tag gestreikt werden, GDL-Chef Schell schaltet um auf Konfrontation. Wahrscheinlich ist er der Meinung, der Gegenseite die Streikfähigkeit seiner Organisation demonstrieren zu müssen. Und genauso wahrscheinlich ist es, dass die Gewerkschaftsbasis genug von Gesprächen hat und wieder streiken will. Doch der Zeitpunkt für den neuerlichen Streik ist schlecht gewählt. Wenn Schell mit Mehdorn und Müller zusammensitzt, sollte die GDL nicht zum Arbeitskampf aufrufen, sondern Kompromissbereitschaft erkennen lassen.

Schell setzt mit dem Streik eine mögliche Annäherung in diesem lange dauernden Konflikt aufs Spiel. Wie soll unter lautem Säbelrasseln Vertrauen entstehen? Vielleicht hätte Aufsichtsratschef Müller einen ersten Lösungsansatz parat gehabt. Bahn-Boss Mehdorn wird sich angesichts der Streikankündigung jedenfalls nicht so schnell auf einen Kompromiss einlassen.

Mäßigung ist jetzt gefragt, das sollte die GDL endlich verstehen. Aber vielleicht lernen die Lokführer an den nächsten Tagen aus diesem Fehler und lassen echte Verhandlungsbereitschaft erkennen. Die GDL muss gehörig aufpassen, dass sie jetzt nicht die letzten Sympathien verspielt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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