Deutsche Bahn
Falsche Richtung

Der Zug fährt unaufhaltsam in nur eine Richtung. Mit einem Kurswechsel ist nicht mehr zu rechnen, weil im Stellwerk niemand mehr arbeitet. So stellt sich derzeit die Diskussion über die Bahnprivatisierung dar. Dank beharrlicher Lobbyarbeit der Bahn ziehen Parlament und Bundesregierung im Kern nur noch zwei Varianten einer Privatisierung des Unternehmens in Betracht.

Und mit beiden Varianten, samt Abwandlungen, fährt Bahnchef Mehdorn gut. Mit anderen Worten: Die Position des Unternehmens bleibt stark, die Wettbewerber haben auch künftig einen schweren Stand.Modell eins ist zuletzt etwas aufgehübscht worden, bleibt aber im Kern ein alter Hut: Die Bahn wird „am Stück“, also als integrierter Konzern, privatisiert. Gegenüber der heutigen Wettbewerbssituation ändert sich wenig. Als Trostpflaster will Verkehrsminister Tiefensee ein „Rückholrecht“ des Bundes durchsetzen: Wenn die Bahn das Netz verrotten lässt, kann der Bund es sich zurückholen. Doch das Drohpotenzial des Bundes ist sehr begrenzt. Die Ausübung der Call-Option würde wahrscheinlich locker einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten: Der Bund müsste den Bahn-Anteil am Netz zum Bilanzwert kaufen. Welcher Finanzminister würde das zulassen?

Modell zwei hat versöhnliche Elemente: Das Netz würde aus dem Unternehmen herausgelöst. Doch in der Praxis bliebe die Bahn die Herrscherin über die Gleise. Über eine vertragliche Regelung, deren Ausgestaltung noch im Dunkeln liegt, soll sie über Jahrzehnte für den Netzbetrieb zuständig sein.

Wer glaubt, man könne bei beiden Modellen den Wettbewerb allein über die Bundesnetzagentur sicherstellen, traut dieser Behörde Übermenschliches zu. Die Bahn wird ihre Marktmacht mit der Herrschaft über das Netz geschickt zum eigenen Vorteil kombinieren. Der Weg zu mehr Wettbewerb führt in eine andere Richtung.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%