Deutsche Bank
Ackermanns Bekenntnis

Deutschland braucht die Deutsche Bank als führendes, einzig global aufgestelltes Finanzhaus. Und umgekehrt braucht die Deutsche Bank den Heimatmarkt Deutschland. Diese Interdependenz hört sich nach Binsenweisheit an. Sie ist es aber nicht, weil das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft bei der Deutschen Bank zwischen Flensburg und Freiburg seit vielen Jahren im Schatten des Investment-Bankings in London und New York steht. Deswegen macht heute Schlagzeilen, was früher selbstverständlich war: das überfällige Bekenntnis der Deutschen Bank zu Deutschland.

Ein bloßes Bekenntnis ist aber noch keine Strategie. Der dürren Ankündigung von gestern müssen jetzt rasch Taten folgen. Neue Initiativen auf der Produktebene, im Vertrieb, für Firmen- und Privatkunden würden der Bank, der kriselnden Geldbranche, dem Mittelstand und der Volkswirtschaft insgesamt gut tun. Auch ein Beitrag zur Konsolidierung der deutschen und europäischen Bankenlandschaft gehört dazu. Die Deutsche Bank muss ihren Führungsanspruch, den sie zuletzt vor allem auf das Erreichen ehrgeiziger Ertragsziele reduzierte, wieder umfassend ernst nehmen. Der Marktanteil in Deutschland muss signifikant wachsen. Deutschland braucht eine starke Deutsche Bank, die nicht länger als billige Übernahmekandidatin gilt.

Das heißt aber nicht, dass Ackermann auf seine internationalen Pläne verzichten muss. Ganz im Gegenteil: Das Ziel, als deutsches Haus im internationalen Geschäft mit Börsengängen, Fusionen und Übernahmen, Aktien- und Bondhandel weltweit ganz vorne mitzumischen, darf nicht aufgegeben werden. Alle großen, global operierenden Banken wie Citigroup oder HSBC haben einen starken Heimatmarkt. Umgekehrt heißt das, dass man in Deutschland akzeptieren muss, dass die Deutsche Bank die Manager international wettbewerbsfähig bezahlt. Das schließt Millionengehälter für die Leistungsträger ein. Der Dauerbeschuss Ackermanns in Deutschland wird aber erst dann nachlassen, wenn sich erweist, dass die neue Deutschland-Initiative mehr ist als ein PR-Gag.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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