Deutsche Bank
Das Ende der 25 Prozent Rendite?

Bereinigt um die Kosten der Postbank-Übernahme und mit Blick auf die Konkurrenz können sich die Zahlen der Deutschen Bank durchaus sehen lassen. Aber es mehren sich die Anzeichen, dass sich Josef Ackermann von der angestrebten 25-prozentigen Eigenkapitalrendite verabschieden muss.
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Es sind solide, wenn auch nicht spektakuläre Zahlen, die Bankchef Josef Ackermann heute für das abgelaufene Quartal präsentiert hat. Dass wegen der Postbank-Übernahme ein Verlust zu Buche schlagen würde, ist seit Wochen bekannt. Überraschen kann es also keinen. Was bereinigt um diesen Effekt zu Tage tritt, kann sich hingegen mit Blick auf die Konkurrenz durchaus sehen lassen. Mit 1,3 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern lassen die Frankfurter manchen Rivalen hinter sich. Namhafte Häuser wie Morgan Stanley mussten beispielsweise gar rote Zahlen ausweisen.

Weil es darüber hinaus bei den Frankfurtern aber an Sensationen fehlt, lohnt es sich, ein paar grundsätzlichere Fragen zu stellen. Beispielsweise nach der Unwucht des Geschäfts. Gerettet hat Ackermann - auch diesmal wieder- das Investment-Banking. Es lieferte Sage und Schreibe nämlich 1,1 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern, also rund 85 Prozent. Gut, die Postbank ist noch nicht in der Bilanz. Die Hoffnung auf Besserung ist berechtigt.

Aber ein Blick auf die vor einem Jahr übernommene Kölner Privatbank Sal. Oppenheim zeigt, dass es für Ackermann alles andere als leicht wird, den viel beschworenen "ausgeglicheneren Ertragsmix" auf die Schnelle zu erreichen. Im Fondsgeschäft und der Vermögensverwaltung brach der Vorsteuergewinn - womöglich gerade wegen Sal. Oppenheim - um fast die Hälfte ein. Und mit 78 Mio. Euro ist er im Vergleich zu den Ergebnissen, die Ackermanns Investmentbanker liefern, ohnehin eine Randnotiz. Es könnte also im schlimmsten Fall Jahre dauern, bis Ackermann die von Analysten vielfach kritisierte Unwucht im Geschäftsmodell beseitigt.

Vielleicht noch spannender ist aber die Frage nach der von Ackermann vielfach beschworenen Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Es ist ruhig um sie geworden, nur ungern nimmt man den Wert noch in den Mund bei Deutschlands größtem Kreditinstitut - auch wenn man sich offiziell nie davon verabschiedet hat. Der Grund liegt auf der Hand: Nach neun Monaten kann Ackermann gerade einmal elf Prozent ausweisen. Selbst wer die Effekte der Postbank-Belastung herausrechnet, kommt lediglich auf 19 Prozent.

Viel spricht dafür, dass es für Banken künftig nicht einfacher wird, satte Renditen zu erreichen. Auch die Deutsche Bank muss noch an Sicherheitspuffer zulegen, um die neuen Eigenkapitalvorgaben nach Basel III zu erreichen. Ja schlimmer noch: Einige Konkurrenten aus den USA und der Schweiz gehen schon jetzt weit über die Vorgaben der Regulatoren hinaus. Damit könnte Ackermann gezwungen sein, nachzuziehen. Und würde die Rendite nochmals drücken.

Auch, wenn man es heute also nicht sagen will: Ackermann wird irgendwann nicht umhin kommen, die Frage zu beantworten, ob die Zahl 25 der Vergangenheit angehört.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

Kommentare zu " Deutsche Bank: Das Ende der 25 Prozent Rendite?"

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  • Ein besseres Signal kann es nicht geben. im Kreditgeschäft gelten 25% ohne wenn und aber als Wucher.
    Wenn der branchenprimus hier auf dem Weg zur Normalität ist, besteht auch die sanfte Hoffnung, dass die Fehlberatungen bei banken im Privatkundengeschäft auch nachlassen werden. Hier waren auch total überzogene Vorgaben an die Mitarbeiter Auslöser des Übels.

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