Deutsche Bank: Der ungeliebte Champion

Deutsche Bank
Der ungeliebte Champion

Genugtuung für Ackermann: Das gestern präsentierte Geschäftsergebnis beweist auf beeindruckende Weise, dass die Neuaufstellung der Deutschen Bank vor vier Jahren erfolgreich war. Die Rendite ist Spitze, die Gewinnsteigerung außergewöhnlich, die Dividendenerhöhung erfreulich. Auch die Ankündigung, dass Ertragsteuern in Höhe von 2,6 Mrd. Euro fällig sind, darf man feiern: Endlich geht es dieser Bank und anderen Unternehmen wieder so gut, dass auch der in Finanznöten steckende Staat nach Jahren der Durststrecke wieder etwas davon hat.

Die Rekordzahlen untermauern den Anspruch der Deutschen Bank, zu den besten und rentabelsten Finanzdienstleistern der Welt zu gehören. Betrachtet man allein die nackten Zahlen, was für Finanzmärkte und Investoren das Entscheidende ist, dann scheint dieses ehrgeizige Ziel schneller Realität geworden zu sein, als es manche Experten für möglich gehalten haben. Dafür gebührt dem neuen „Vorstandsvorsitzenden“ Anerkennung, nicht nur im Ausland, sondern auch auf dem Heimatmarkt.

Die aber wird dem nun noch mächtigeren Chef der Deutschen Bank hier vielfach verweigert. Das mag mit seinem Millionengehalt zu tun haben, was unter uns Germanen allzu oft Neid und Missgunst provoziert. Es geht auch auf das unausrottbare Misstrauen des deutschen Michels gegenüber Bankern zurück. Geldverdienen mit Geld gilt vielen aus Prinzip als anrüchig. Doch gibt es auch andere Gründe: den Untreuevorwurf im Mannesmann-Prozess oder den kritikwürdigen Umgang der Bank mit der Immobilienfondskrise.

Der Liebesentzug, mit dem viele Deutsche die Deutsche Bank strafen, hat nicht zuletzt mit der Person des Schweizer Bankers selbst zu tun. Gestern vor der Presse forderte er fast flehentlich, man müsse doch bitte endlich verstehen, dass die Bank aus Sicht der Juristen und der Bankenaufsicht in New York alles richtig gemacht habe. Gemeint war die völlig überraschend erfolgte Schließung des offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest im Dezember, die zu Milliardenabflüssen in der ganzen Branche geführt hat.

Das Verständnis, das die Deutsche Bank zu Recht für die Zwänge eines Global Players verlangt, darf der Heimatmarkt umgekehrt vom Geldhaus erwarten – wenigstens ein Mindestmaß. An der Sensibilität dafür, welche besonderen Erwartungen die Kunden und die Öffentlichkeit an den Marktführer stellen, mangelt es jedoch immer noch. Sie erwarten etwa, dass die Deutsche Bank die Kapitalmarktkultur nachhaltig fördert. Doch das Hin und Her in der Fondskrise hat viel Vertrauen zerstört, worunter auch Wettbewerber leiden.

Wer Verständnis fordert, muss sich außerdem verständlich machen. Doch immer noch mangelt es an kommunikativer Offenheit und Präsenz. Das gilt auch für die Debatten, die geführt werden über Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Ackermanns Vorgänger Abs und Herrhausen haben vorgemacht, wie man hier zum Vorreiter wird. In den USA genießen Topmanager vor allem auch deshalb ein höheres Ansehen als hier zu Lande, weil sie ihr Haus im Sinne der „Corporate Citizenship“ bewusst als „gute Mitbürger“ repräsentieren. Der Chef der Deutschen Bank muss in die Mitte der Gesellschaft zurückkehren, wenn er das Imageproblem lösen will.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
Handelsblatt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%