Deutsche Bank
Die gute Heimatbasis zahlt sich aus

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Wer hätte das gedacht: Plötzlich ist das Deutschland-Geschäft für die Deutsche Bank nicht mehr die Vorsuppe, sondern die Hauptspeise. Plötzlich steuert der lange vernachlässigte, in den letzten Jahren aufgepäppelte Heimatmarkt weit mehr als die Hälfte der Gewinne des führenden deutschen Finanzhauses bei.

Das liegt nicht nur an den verbesserten steuerlichen Bedingungen und ein paar Beteiligungsverkäufen, sondern auch daran, dass das in den letzten Jahren von Rekord zu Rekord gehetzte Investment-Banking im gerade abgelaufenen Krisenquartal statt Milliardengewinnen einen saftigen Verlust produziert hat. Da trifft es sich gut, dass die Konjunktur boomt und dass die Deutsche Bank in den letzten Jahren nicht nur in Asien, sondern eben auch zu Hause investiert hat.

So hat sich die Deutsche Bank in der seit drei Monaten anhaltenden Finanzkrise ganz gut geschlagen – ähnlich wie Goldman Sachs, aber im Gegensatz zu UBS und Merrill Lynch. Freilich ist das nur ein relativer Erfolg. Abschreibungen von über zwei Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von blassen zwölf Prozent, wie sie die Deutsche Bank gestern meldete, sind alles andere als Erfolgsmeldungen. Unter normalen Umständen wären diese Zahlen eine wahre Katastrophe.

Aber normal ist an den Finanzmärkten nichts mehr, und daher geht die Krise auch an den Banken mit einem dicken Speckgürtel nicht spurlos vorbei. Im vierten Quartal wird sich dann zeigen, wer wirklich ein guter Krisen- und Risikomanager ist. Im Augenblick sieht es so aus, dass Goldman und Deutsche auch dann gut aussehen werden, weil sie schon jetzt reinen Tisch gemacht haben. Was Dichtung und was Wahrheit ist, wird sich schnell erweisen.

Was haben UBS und Merrill Lynch schlechter gemacht? Auf den Punkt gebracht: Sie sind nach allem, was man bisher weiß, deutlich höhere Risiken eingegangen. Und sie haben offenbar zu spät und zu langsam auf die ersten Krisensymptome reagiert. Goldman-Chef Lloyd Blankfein und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann waren schneller, radikaler und – im Vorfeld – sicherheitsorientierter. Ihr hochmodernes, am täglichen Marktverlauf orientiertes Risikomanagement zahlt sich aus. Beide gehören jetzt zu den wenigen Krisengewinnlern, da sie den um Refinanzierung bangenden Konkurrenten gute Kredittranchen mit hohen Abschlägen abkaufen können.

Trotzdem dürfen sich Deutsche Bank und Goldman Sachs nicht zurücklehnen. Die Krise geht weiter, ein Ende ist nicht abzusehen. Alle paar Monate suchen auf den globalen Finanzmärkten Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe eine Refinanzierung. Noch ist das Misstrauen allgegenwärtig, und der Verbriefungsmarkt ist nach wie vor ausgetrocknet. Außerdem könnten weitere Blasen platzen: Nach der Immobilienszene wackeln Kreditkarten- und Verbraucherkreditmarkt. Eine Korrektur der hohen Aktienkurse könnte hinzukommen. Auch schwacher Dollar, teurer Euro und Ölpreis könnten die Weltkonjunktur so schwächen, dass es zu weiteren Pleiten in der Finanzszene kommt, vor allem in den USA. Die Party, die die Banker noch im ersten Halbjahr 2007 gefeiert haben, geht also noch lange nicht weiter.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
Handelsblatt

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