Deutsche Bank
Kommentar: Hut ab, Herr Ackermann!

Mitten in der größten Bankenkrise seit Jahrzehnten hat sich die Deutsche Bank 2007 grandios geschlagen. Während die bis vor einem Jahr noch gefeierten Konkurrenten wie UBS und Citigroup Milliardenabschreibungen vornehmen und neues Kapital aus Fernost einwerben mussten, hat der deutschen Branchenprimus ein Rekordergebnis eingefahren.

Mitten in der größten Bankenkrise seit Jahrzehnten hat sich die Deutsche Bank 2007 grandios geschlagen. Während die bis vor einem Jahr noch gefeierten Konkurrenten wie UBS und Citigroup Milliardenabschreibungen vornehmen und neues Kapital aus Fernost einwerben mussten, hat der deutschen Branchenprimus ein Rekordergebnis eingefahren.

Die Abschreibungen sind vergleichsweise überschaubar und das Renditeversprechen wurde auch in der Krise gehalten. Vorstandschef Josef Ackermann hat heute also nicht nur wegen seines 60. Geburtstags durchaus Grund zu feiern. Er und sein Management waren klug genug, frühzeitig auf die Warnungen vor einer Krise am US-Hypothekenmarkt durch ihren Kreditexperten Eugene Xu zu hören und sich darauf einzustellen. Mutig, aber richtig, wie man spätestens seit heute weiß. Denn während die anderen noch auf der renditeträchtigen Welle ritten und mit risikoreichen Verbriefungen zweitklassiger Kredite in den USA Profite machten, agierte die Deutsche Bank vorsichtiger. Dafür wurde sie belohnt.

Aber: Auch wenn das Institut im Branchenvergleich gut bis blendend da steht, kann es sich der Krise nicht völlig entziehen. Der Motor im Investmentbanking stottert, so dass ein Fragezeichen hinter der Entwicklung des Hauptgewinntreibers steht. Die Erfolge im Privatkunden- und Mittelstandgeschäft sind schön, aber im Verhältnis zu klein, um die Probleme bei den Investmentbankern wirklich aufzuwiegen. Und Beteiligungsverkäufe, die das Ergebnis 2007 aufbesserten, hat man nicht jedes Jahr zur Hand.

Ackermann und sein Topinvestmentbanker Anshu Jain müssen sich also schleunigst etwas einfallen lassen, um neue Erlösquellen zu finden. Sonst ist die "Vision" eines Vorsteuergewinns von 8,4 Mrd. Euro 2008 nicht zu erreichen. Es spricht für den - wenn auch krisenbedingt verhaltenen - Optimismus von Ackermann & Co, dass sie diese bislang als "Ziel" formulierte Größe weiterhin im Munde führen.

Was bleibt jenseits der reinen Zahlen? Im Poker um die vor dem Verkauf stehende Postbank hat Ackermann sicher einen Punktsieg gelandet. Deren Haupteigentümer, der Berliner Politik, hat er vorgeführt, dass seine Bank und seine Strategie auch in der Krise funktioniert. In den Zeiten kollabierender öffentlich-rechtlicher Banken sicher in Pfund, mit dem er Wuchern kann. Es wird spannend sein zu sehen, ob der zweite große deutsche Interessent an dem Bonner Institut, die Commerzbank, in einer Woche mit ihrer Bilanz 2007 gegenhalten kann.

Jenseits der deutschen Grenzen muss Ackermann die Gunst der Stunde nutzen. Die Schwäche der anderen und die relative eigene Stärke bieten eine Chance, in den bereits boomenden Märkten der Zukunft, Asien und Indien, auch mit Akquisitionen zum Zuge zu kommen. Auch hier ist Mut gefragt!

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