Deutsche Bank
Kommentar: Pfeifen im dunklen Wald

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Nun hat die Deutsche Bank im hochturbulenten dritten Quartal also doch etwas besser abgeschnitten, als es der Chef von Deutschlands größten Geldhaus noch Anfang des Monats prognostiziert hat. Die Zahlen sind ein Ergebnis von Josef Ackermanns ausgefuchster Strategie – doch Rückschlüsse auf die Zukunft des Instituts lassen sie nur begrenzt zu.

Denn Steuereffekte und Verkäufe von Beteiligungen sowie der US-Zentrale haben das Zahlenwerk kräftig aufgehübscht. Lässt man dies außen vor und versucht, die dahinter liegenden Trends zu analysieren, zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. So darf sich Bankchef Josef Ackermann sicherlich zugute halten, in den vergangenen Jahren die stabilen, vom Kapitalmarkt unabhängigeren Geschäftsfelder ausgebaut zu haben.

Jetzt erntet er die Früchte. So verbuchte die Privatkundensparte das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Zukäufe wie die Norisbank oder Berliner Bank beginnen hier nach einem holprigen Anfang die gewünschten Erträge abzuliefern. Erfreulich sind sicherlich auch die relativ hohen Mittelzuflüsse in der Vermögensverwaltung sowie der Umstand, dass die Deutsche Bank ihre Kosten ganz offenbar im Griff hat.

Doch das muss sie auch. Denn im Investment-Banking und Firmenkundengeschäft brachen die Erträgeim Quartal bedingt durch die Finanzkrise um gut die Hälfte weg. Dies ist umso gravierender, als dieser Bereich bekanntlich für rund 70 Prozent der Gewinne des heimischen Branchenprimus sorgt. In der Folge sank die bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern im Quartal auf zwölf Prozent - Ackermanns Messlatte liegt bei mindestens 25 Prozent.

Für die ersten neun Monate liegt die Bank zwar noch über diesem Wert. Doch die Aussichten für die nahe Zukunft stimmen wenig hoffnungsfroh. Auch im vierten Quartal werden die Erträge im Investment-Banking voraussichtlich signifikant unter den zuletzt erreichten Höchstständen liegen. Selbst "Anpassungen" in einzelnen Geschäftssparten mag der Konzernchef nicht mehr ausschließen.

Das von Ackermann erneut bekräftigte Gewinnziel von 8,4 Mrd. Euro vor Steuern erscheint vor diesem Hintergrund ein wenig wie das Pfeifen im dunklen Wald. Sollte die Finanzkrise nicht bald ein Ende finden, dürfte es schon in wenigen Monaten Makulatur sein.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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