Deutsche Bank
Kommentar: Zurück auf dem Boden der Realität

Erstmals seit Ende 2003 schließt die Deutsche Bank eine Vierteljahresbilanz wieder mit einem Verlust ab. Damit ist vor allem die Illusion gestorben, die Deutsche Bank sei so unglaublich stark, die größte Finanzmarktkrise seit Jahrzehnten ohne Gewinneinbruch verdauen zu können. Eine Katastrophe ist das Ergebnis aber nicht.
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Erstmals seit Ende 2003 schließt die Deutsche Bank eine Vierteljahresbilanz wieder mit einem Verlust ab. Sie hat sich immerhin zwei Quartale und damit länger als die meisten großen Konkurrenten erfolgreich gegen die Krise gewehrt. Nun muss aber auch sie den Markturbulenzen Tribut zollen. Das war auch nun auch durch den Verkauf von Tafelsilber in Form von Aktienpaketen an an Daimler, Linde und Allianz nicht zu verhindern.

Das noch zu Boomzeiten ausgegebene und lange gegen alle Analystenberechnungen aufrechterhaltende Ziel, in diesem Jahr vor Steuern 8,4 Mrd. Euro zu verdienen, ist wohl endgültig Makulatur. Die Hoffnung stirbt zuletzt, scheint man sich in den vergangenen Wochen und Monaten beim deutschen Branchenprimus gesagt zu haben. Gestorben ist nun vor allem die Illusion, die Deutsche Bank sei so unglaublich stark, die größte Finanzmarktkrise seit Jahrzehnten ohne Gewinneinbruch verdauen zu können. Die viel bewunderten Stars des Londoner Investmentbankings um ihren Guru Anshu Jain sind auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Auch sie können keine Erträge aus dem Nichts herbeizaubern. Offensichtlich waren die noch auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz beschworenen alternativen Ertragsquellen auch für sie nicht schnell genug zu erschließen.

Ist das Ergebnis nun eine Katastrophe für Josef Ackermann oder die Bank? Wenn es im Laufe des Jahres nicht noch viel schlimmer kommt, sicher nicht! Anders als UBS und Citigroup, die gefeierten Stars von gestern, braucht die Bank bislang keine Kapitalerhöhung. Die Frage ist nun: Welche Auswirkungen haben die Zahlen auf die Stellung der Bank in der sich abzeichnenden Konsolidierung der deutschen Branche? Ist Reputation Ackermanns als Krisenbändiger noch ausreichend groß, um die Berliner Politik von einem Verkauf der begehrten Postbank an den Branchenprimus zu überzeugen? In den nächsten Tagen werden daher die Zahlenwerke der anderen Interessenten, Allianz und Commerzbank, sorgfältig auf deren Fähigkeiten zum Krisenmanagement abgeklopft. Das dürfte die Entscheidung der Politik nach den Erfahrungen mit IKB und KfW maßgeblich beeinflussen.

Auch wenn am Ende die Allianz im Rennen um die Postbank obsiegt, brauchen sich die verbliebenen Konkurrenten keine Illusionen zu machen. Auch nach diesem Quartalsverlust ist Ackermann in der Lage, erfolgreich etwa für die Deutschlandtochter der Citigroup zu bieten. Und auch der ewige Übernahmekandidat Commerzbank kann sich nicht in Sicherheit wiegen. Denn: Angesichts der Probleme im Londoner Investmentbanking wächst der Druck auf das Frankfurter Management, das Privatkundengeschäft im Heimatmarkt mit seinen stabileren Eträgen zu stärken.

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