Deutsche Bank
Starker Chef gesucht

Die Deutsche Bank braucht einen neuen Chef: und zwar möglichst bald. Eine lange Warteschleife unter einem angeschlagenen Josef Ackermann täte der Bank nicht gut. Mehr als alle anderen Häuser benötigt sie eine starke Person an der Spitze, die die unterschiedlichen Sichtweisen der Investmentbanker und der deutschen Filialbanker unter einen Hut bringt. Sonst besteht die Gefahr, dass die Bank auseinander bricht.

Schon aus diesem Grund wäre es gut, wenn Ackermann die Chance nutzen würde, die sich ihm am 2. Februar bietet. Dann legt die Bank ihre Bilanz für 2005 vor. Und diese wird aller Voraussicht nach exzellent sein. Eine bessere Bühne für einen stilvollen Abgang wird sich dem Schweizer wohl kaum jemals bieten. Dann kann er sich noch einmal als der Manager würdigen lassen, der die schwerfällige Deutsche Bank so weit entschlackt hat, dass sie mit Blick auf den Profit international vorne dabei ist.

Allerdings hat der Schweizer etwas Entscheidendes versäumt: Er hat es nicht geschafft, der Bank eine einheitliche Kultur zu geben. Die divergierenden Denkweisen Londons und Deutschlands sind im Prinzip nicht schlecht. Sie könnten sogar äußerst fruchtbar sein. Nur muss der Konzernchef sie so austarieren, dass für das Ganze das Optimum herauskommt. Aber dies gelingt eben nicht. Immer öfter obsiegt die einseitige Denkweise der Investmentbanker. Der Kauf der Postbank dürfte an deren Widerstand gescheitert sein. Bei der Fondsaffäre setzte sich Ackermann über Bedenken deutscher Manager gegen eine Schließung des Fonds hinweg und verprellte die Kunden.

Dieser Fehlgriff ist keine Kommunikationspanne, sondern entspringt letztlich Ackermanns Vision. Zunächst sah es so aus, als habe er überhaupt keine klare Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll. Er war voll mit der Verschlankung des Konzerns beschäftigt. Erst jetzt, nachdem die Bank auf solider Basis steht, enthüllte er sein Credo: Die Deutsche soll zur weltweit führenden Investmentbank werden, der Ausbau des Privatkundengeschäfts gerät ins Abseits.

Doch darf bezweifelt werden, ob Ackermanns Weg der richtige ist. Geradezu fatal wäre es aber, wenn die Deutsche in einer Nach-Ackermann-Ära in eine Investmentbank und eine Privatkundenbank zerlegt würde, wie in Frankfurt bereits spekuliert wird. Zwar gibt es an der Wall Street Investmentbanken ohne mächtiges Filialgeschäft, aber das hatten diese auch nie. Die Deutsche Bank hat aber ein florierendes und sollte mit diesem Pfund wuchern, so wie UBS und Credit Suisse oder JP Morgan Chase und Citigroup. Sie alle sind große Investmentbanken, pflegen aber zugleich ihre Privatkunden. Ein derart ausbalanciertes Geschäftsmodell ist auf Dauer tragfähiger als das einer reinen Investmentbank.

Ein neuer Chef der Deutschen Bank sollte natürlich das erfolgreiche Investment-Banking ausbauen, zugleich aber die Privatkundensparte stärken und nicht die Kunden vergraulen. Geld genug für beides hätte die Bank, wenn sie es nicht ständig für Aktienrückkäufe ausgeben würde. Vor allem aber müsste ein neuer Chef klar machen, dass die Bank von Frankfurt und nicht von London aus geführt wird.

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