Deutsche Bank
Zurück zu den Wurzeln

Offensichtlich hat die Deutsche Bank ihre Lektion gelernt. Jetzt handelt sie so, wie sie es versprochen hat. Spätestens mit dem Kauf der Norisbank ist die international einzig ernst zu nehmende Bank der Republik wieder in Deutschland angekommen. Die kurzsichtigen Rückzugsversuche auf dem Heimatmarkt – Höhepunkt war die zeitweise Ausgliederung der deutschen Privatkunden in die Deutsche Bank 24 – gehören der Vergangenheit an. Im Gefecht mit den internationalen Universalbanken wie der Schweizer UBS hat sie lernen müssen: Nur wer im Heimatmarkt stark ist, kann international bestehen. Wer nicht weiß, wer er ist und woher er kommt, kann eben auch nicht wirklich sagen, wohin die Reise gehen soll.

Abgesehen von solch philosophischen Betrachtungen, dürfte auch der mächtige Handelschef Anshu Jain gemerkt haben, dass sein Investment-Banking ebenso große Risiken wie Chancen birgt. Ein paar falsche Anlageentscheidungen reichten im vergangenen Quartal, um dem Eigenhandel 100 Mill. Euro Verlust zu bescheren.

Da sind die Erträge mit Privatkunden und dem deutschen Mittelstand wesentlich stabiler. Und dass man in diesem Segment auch trotz der immer als Margenverderber angeprangerten Dominanz der Sparkassen ordentlich Geld verdienen kann, zeigt der Erfolg von Auslandsbanken wie der ING Diba. Auch das schon sprichwörtlich gewordene Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern scheint durch die Rückkehr nach Deutschland nicht in Gefahr.

Wer jetzt einwendet, in Deutschland verdiene die Bank angesichts des Gewinnanteils von 75 Prozent aus dem Investment-Banking nur die berühmten „Peanuts“, hat den Blick für die absoluten Größen verloren. Die einzige andere ernst zu nehmende Großbank der Republik, die Commerzbank, hat 2005 kaum mehr verdient.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will sich nach einigen Missgriffen der vergangenen Jahre mächtig ins Zeug legen, um den Ruf der Bank aufzupolieren. Auch dem dienen die jüngsten Entscheidungen: Erst gab er den Forderungen aus Berlin nach und beteiligte sich an der Deutschen Börse. Das Signal: Ja, wir haben ein Interesse am Finanzplatz und wollen keine Aushöhlung der Börse durch das europäische Fusionspoker. Als Nächstes widmete er sich dem deutschen Mittelstand. Tapfer lächelte er letzte Woche mit der designierten Chefin der staatlichen KfW-Bankengruppe, Ingrid Matthäus-Maier, in die Kameras. Die Botschaft ist: mehr Kredite für den Mittelstand als die tragende Säule der Wirtschaft.

Auch wer nicht Aktionär der Bank ist, kann das verstärkte Engagement in Deutschland nur begrüßen. Denn die größte Volkswirtschaft Europas braucht einen globalen Champion mit starker Verankerung im Heimatmarkt. Ein Exportweltmeister braucht eine Bank, auf die sich deutsche Firmen auch im Ausland verlassen können. Ein Land, in dem in den nächsten Jahren Milliarden vererbt und wieder an den Weltmärkten angelegt werden, benötigt eine Bank mit dem richtigen Know-how. Und die Regierung eines solchen Landes braucht ein solches Institut als Berater beim Poker um die künftige Gestalt des europäischen Finanzmarktes. Denn wer nicht weiß, wie der funktioniert, wird schnell über den Tisch gezogen.

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