Deutsche Bankenlandschaft
Analyse: In der Sackgasse

Wer die rasche und nachhaltige Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft fordert, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes zu verbessern, darf sich breiter Zustimmung sicher sein. Wer aber verlangt, dass diesen Worten möglichst rasch ganz konkrete Taten folgen mögen, trifft, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf ein Heer von Neinsagern, Bedenkenträgern und Hasenfüßen, die nur in einem Ziel vereint sind: der Verhinderung jeglicher Veränderung, der Verteidigung des Status quo.
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Das schließt bedauerlicherweise alle drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft ein: Im Lager der Landesbanken und Sparkassen, wo der Konsolidierungsdruck am stärksten ist, hängen die meisten Protagonisten nach wie vor der Illusion an, dass der Kelch schon irgendwie an ihnen vorübergeht. Das Genossenschaftslager hat resigniert, nachdem vor Monaten der dritte Fusionsversuch der Spitzeninstitute DZ und WGZ an persönlichen Eitelkeiten und Postenneid gescheitert ist.

Die Privatbanken glauben, nach den geplatzten Fusionsversuchen kurz nach der Jahrhundertwende das wenige Mögliche bereits getan zu haben: Die Deutsche Bank will sich die glänzenden Zahlen nicht durch ertragsschwache Übernahmen besudeln. Die Commerzbank blitzt als Käufer immer wieder ab, zuletzt bei der Postbank und der Landesbank Berlin. Und der Dresdner Bank, deren angebliche Zerschlagung in regelmäßigen Abständen die Gerüchteküche beschäftigt, sind als Tochter des Allianz-Konzerns ohnehin die Hände gebunden.

Die deutsche Kreditwirtschaft wird international noch weiter zurückfallen

Das Ergebnis ist niederschmetternd: Alle Protagonisten wissen, dass schnellstens etwas passieren muss, aber kaum jemand bewegt sich. Die ausländischen Wettbewerber, die sich rasant weiterentwickeln und die Märkte der Zukunft unter sich aufteilen, dürften das erbärmliche deutsche Schauspiel mit Dankbarkeit und Mitleid verfolgen: Es gibt nur sehr wenige Branchen, in denen sich die globalste Wirtschaft der Welt so provinziell, rückständig und unambitioniert zeigt.

Die Folge ist klar: Die deutsche Kreditwirtschaft wird international noch weiter zurückfallen, wird Objekt der grenzüberschreitenden Konsolidierung sein, nicht Subjekt. Der Marktanteil ausländischer Finanzgruppen in Deutschland wird nach dem beeindruckenden Vorbild der Direktbank ING-Diba weiter steigen. Die Konsolidierung kommt also auf jeden Fall, aber die deutschen Manager verlieren die Kontrolle.

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