Deutsche Börse
Ein Deal für die Zukunft

Die Deutsche Börse kehrt zurück in die USA. Für knapp drei Mrd. Dollar kauft sie sich bei der International Securities Exchange (ISE) ein und will damit vom boomenden amerikanischen Derivatemarkt profitieren. Wenn das funktioniert – wonach derzeit alles aussieht – ist das der erste größere Wurf der immer noch „neuen“ Führung der Börse. Vorstandschef Reto Francioni und sein Terminmarktchef Andreas Preuss sind zwar beide schon über ein Jahr im Amt. Bislang haben sie aber entweder die Scherben ihrer Vorgänger beiseite gefegt oder erfolglos versucht, an der Konsolidierung der Branche mitzuwirken.

Francioni musste Ende letzten Jahres zusehen, wie sich die New York Stock Exchange (NYSE) die Pariser Euronext einverleibte. Alles Werben um Euronext-Chef Jean-Francois Theodore war vergebens. Offenbar lastete das Erbe von Ex-Börsenchef Werner Seifert, der es sich mit den Mächtigen der europäischen Börsenszene verscherzt hatten, noch zu sehr auf dem Fusionsprojekt. Da war es auch kein Trost, dass die Nasdaq beim Versuch, die Londoner Börse (LSE) zu kaufen, scheiterten.

Denn am Ende der Nasdaq-Attacke blieb die LSE zwar weiter allein, die Nasdaq kann mit den zusammengekauften 30 Prozent der Stimmrechte die strategische Ausrichtung mitbestimmen. Die Deutsche Börse drohte im Wettlauf um die Börsenwelt von morgen in die Isolation zu geraten.

Bei der US-Expansion haben Preuss und Francioni offenbar ihre Lehren aus dem Scheitern ihrer Vorgänger gezogen. Diese waren vor gut drei Jahren mit dem Versuch vor die Wand gefahren, den dortigen Terminmarkt mit einer eigenen Börse, der Eurex US, aufzurollen. Der „Homo Novus“ aus der Alten Welt, der den behäbigen Großbörsen in den USA das Ein-Mal-Eins des elektronischen Handels beibringen wollte, wurde mit brutaler Lobbyarbeit aus dem Markt geblockt.

Beim zweiten Anlauf macht es die Deutsche Börse klüger und verbündet sich mit einem US-Partner. Wenn dieses Projekt funktioniert, hat das Führungsduo bewiesen, dass es mehr kann als einen boomenden Monopolisten zu verwalten und die Gewinne an die Hedge-Fonds unter den Aktionären auszuschütten. Es geht offenbar doch voran bei der Deutschen Börse.

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