Deutsche Börse
Francioni muss Stärke zeigen

Augen zu und durch! Nach der Attacke des Hedge-Fonds Atticus muss Reto Francioni als Chef der Deutschen Börse Führungsstärke zeigen. Seine Überzeugungskraft ist gefordert, um die anderen Großaktionäre, mit dem Hedge-Fonds TCI an der Spitze, von der geplanten Fusion mit der US-Terminbörse International Securities Exchange (ISE) zu überzeugen.

Denn für die Frankfurter führt kein Weg an einer Internationalisierung vorbei. Nur so können sie auf Dauer in der Liga der großen Wertpapierhandelskonzerne der Welt mitspielen. Es kann, ja es darf nicht sein, dass erneut ein Großinvestor die Fusionspläne der Deutschen Börse durchkreuzt und nur kurzfristige Interessen im Sinn hat. Hier geht es um den Finanzplatz Deutschland.

Zu oft hat die Deutsche Börse bei ihren Übernahmeversuchen schon den Kürzeren gezogen, während um sie herum etwa die New York Stock Exchange über Kooperationen und Zukäufe ein weltweites Imperium aufbaute. In Europa haben die Amerikaner die Frankfurter bei der Mehrländerbörse Euronext ausgebremst. Auch die London Stock Exchange gab den Frankfurtern trotz heftiger Annäherungsversuche bereits mehrfach einen Korb.

An der ISE reizen nicht nur die hervorragenden Wachstumschancen in den USA, da im Mutterland der Kapitalmärkte noch ein Großteil des Derivatehandels an den Börsen vorbei läuft. Und bei Derivaten spielt in den nächsten Jahren weltweit weiter die Musik. Die ISE bietet sich auf Dauer auch als Nukleus für weitere US-Expansionspläne beispielsweise im Aktienhandel an. Visionär in die Zukunft geblickt, könnte die ISE-Übernahme auch der entscheidende Schritt für eine spätere Fusion mit den Londonern sein. Denn auf Dauer werden nur wenige Börsen weltweit überleben.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%