Deutsche Börse
Kommentar: Chance für Neubeginn

Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: Der Rückzug von Vorstandschef Werner Seifert und seines Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer bietet die Chance für einen strategischen Neubeginn an der Spitze der Deutschen Börse.

Insofern muss man die gestrige Entscheidung des Aufsichtsrats uneingeschränkt begrüßen: Es ist gut, wenn jetzt ein neues Führungsteam ein Zukunftskonzept entwickelt und eine andere Art der Kommunikation mit Aktionären und Wettbewerbern pflegt. Eine wichtige Ära geht abrupt zu Ende, aber eine Schwächung des Finanzplatzes ist es nicht, wenn nun eine neue, nicht minder wichtige beginnt.

Seifert und Breuer haben in den letzten Jahren immens viel für die Modernisierung des deutschen Finanzmarkts getan. Sie haben dafür gesorgt, dass die Frankfurter Börse im Inland und auf dem europäischen Kontinent Standards setzte. Es ist bedauerlich, dass sie nun einen derart unerfreulichen Abgang erleben. Das haben Seifert und Breuer nicht verdient.

Ausgerechnet die maßgebenden Promotoren des deutschen Kapitalmarkts ereilt dieses Schicksal – das hängt damit zusammen, dass beide ein entscheidendes Kennzeichen emanzipierter Finanzmärkte gnadenlos unterschätzt haben: den Anspruch der neuen, selbstbewussten Großaktionäre auf Information und Einbindung. Dem überfälligen Neubeginn standen Breuer und vor allem Seifert im Weg. Beide haben viel zu spät erkannt, dass die Zeit einsamer Entscheidungen in irgendwelchen Hinterzimmern seit langem zu Ende ist. Erschwerend kam hinzu, dass die Diplomatie nicht zu ihren größten Talenten zählt.

Nun kommt es darauf an, Nachfolger zu finden, die den Drang zur weiteren Stärkung der deutschen und europäischen Börsenlandschaft verbinden mit gewiefter Taktik und kluger Kommunikation. Diese Führungscrew muss dort anknüpfen, wo das Duo Seifert/Breuer aufgehört hat. Das heißt auch: Eine wie auch immer geartete Kooperation oder Fusion mit anderen europäischen Börsen, London inklusive, gehört früher oder später wieder auf die Agenda.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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