Deutsche Börse
Lähmung durchbrochen

Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni setzt mit dem Kauf einer Derivatebörse in den USA für rund zwei Mrd. Euro ein Zeichen:

Entgegen dem bisherigen Anschein kann und will er die Zukunft der Börse außerhalb Deutschlands selbst gestalten. Ihm und seinem Terminmarktchef Andreas Preuss reicht es nicht, den hoch profitablen Monopolbetrieb im Inland nur für die Hedge-Fonds unter den Aktionären zu verwalten.

Trotz des hohen Preises für den Eintritt in den boomenden US-Markt für Aktienoptionen ist der Kauf der ISE der richtige Schritt. Die Börse und ihre Termintochter Eurex machen sich langfristig für weitere Partner weltweit attraktiv. Dabei haben Francioni und Preuss offenbar aus den Fehlern von Ex-Börsenchef Werner Seifert gelernt. Während dieser bei jedem Übernahmeprojekt das „Opfer“ völlig integrieren wollte, lassen sie der ISE unter dem Konzerndach ihre Selbstständigkeit. Wird dies ein Erfolg, könnten bisherige Ängste potenzieller Partner vor einem totalen Dominanzstreben Frankfurts schwinden.

Mit dieser Übernahme ist die Börse auch zumindest wieder auf dem Weg, Augenhöhe mit dem globalen Börsenkonzern Nyse Euronext aus New York und Paris zu erreichen. Dazu müssten aber die vielen kleinen Initiativen weltweit, etwa der Einstieg in Indien, entsprechend Früchte tragen.

Es bewegt sich also doch etwas bei der Deutschen Börse. Lange lag sie unter dem Schock der verlorenen Übernahmeschlachten um die Euronext und die Londoner Börse wie gelähmt. Sie drohte selbst zum Übernahmekandidaten zu werden. Der erste Schritt ist getan. Preuss und Francioni müssen nun beweisen, dass sie mit ihrer Kombination aus organischem Wachstum und mittelgroßen Zukäufen wirklich eine selbstbestimmte Zukunft des Konzerns sichern können.

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