Deutsche Börse
Trübe Aussichten

Welchen Preis muss Frankfurt für die Bildung eines gemeinsamen europäischen Aktienmarktes bezahlen? Und ist dieser Preis zu hoch? Das sind die Kernfragen im Poker um eine Beteiligung der Deutschen Börse an der Konsolidierung der Branche.

Im Grunde ist der jüngste Vorschlag aus Paris unannehmbar. Die Finanzplatzorganisation Europlace schlägt vor, dass der deutsche Aktienmarkt in die Vierländerbörse Euronext eingegliedert wird und die Deutsche Börse dafür Euronext-Aktien erhalten soll. Mit anderen Worten: Der deutsche Aktienmarkt würde vom Ausland aus gesteuert, ohne dass ein deutscher Einfluss gesichert wäre. Außerdem liefe dies faktisch auf eine Zerschlagung der Deutschen Börse hinaus.

Allerdings: Geht die Deutsche Börse auf diesen Vorschlag nicht ein, wird die Euronext mit der größten Börse der Welt, der Börse in New York, fusionieren. Frankfurt stünde außen vor. Gleichzeitig bestünde die Gefahr, dass mächtige Hedge-Fonds unter den Aktionären der Deutschen Börse den Konzern ihrerseits zur Zerschlagung freigeben würden. Denn diese Großaktionäre wollen die Vollfusion mit Euronext. Erreichen sie das nicht, drohen sie im Hintergrund mit einem Verkauf der Börse. Interessenten wie die Chicago Mercantile Exchange (CME), die sich gerne Filetstücke wie die Derivatebörse Eurex sichern würden, gibt es genug. Also: Am Ende des Tages könnte es opportun sein, die jetzt vorgeschlagene Kröte zu schlucken.

Die Alternative? Börsenchef Reto Francioni müsste sein Angebot an die Euronext-Aktionäre finanziell deutlich aufbessern, um selbst wieder den Gang der Dinge bestimmen zu können. Die Aktionäre würden sich freuen, der Widerstand der Pariser Politik wäre ihm sicher. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Frankfurt in dem Poker nur wenig gewinnen kann.

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