Deutsche Börse
"Wetten, daß..."

Der Versuch der Deutschen Börse, gemeinsam mit dem italienischen Konkurrenten und der Euronext ein Modell für eine Dreierfusion zu bilden, ist gescheitert.

Offenbar konnten sich Mailand und Frankfurt nicht über die Verteilung von Aufgaben und Machtpositionen einigen. Auf der einen Seite ist das ein Tiefschlag für Börsen-Chef Reto Francioni, der alles versucht, die Euronext von einer Fusion mit New York abzuhalten und eine rein europäische Lösung anstreben möchte. Andererseits ist es der Beweis für das immer wieder vom ihm vorgetragene Mantra, Börsen seien eben nicht „irgendwelche Unternehmen“. Genauso wie sein oberster Aufseher, der hessische Ministerpräsident Roland Koch, ihn daran hindert, substanzielle Teile des Konzerns aus Frankfurt wegzugeben, sitzen auch den möglichen Fusionspartnern die nationalen Lobbyisten im Nacken.

Aus Sicht der jeweiligen Staaten ist das verständlich. Mit der Verlagerung wichtiger Teile einer Börse verlöre man die entsprechenden Spitzenkräfte, auf die eine große Volkswirtschaft kaum verzichten kann, wenn sie nicht an Einfluss verlieren will. Nur die Briten können sich in dieser Sache völlig kosmopolitisch geben und stolz verkünden, es sei ihnen egal, wer die Londoner Börse besitze. Wer den größten europäischen Liquiditätspool hat, muss sich schließlich über den Abfluss von Know-how keinerlei Gedanken machen.

Unabhängig davon: Langsam dürfen Wetten angenommen werden, ob diese Runde des Börsenpokers überhaupt noch zu einer Fusion führt! Denn auch Euronext-Chef Jean-François Theodore konnte bislang die Kritiker nicht zum Verstummen bringen, die aus Furcht vor der übermächtigen US-Finanzaufsicht gegen eine Fusion mit der Nyse sind. Insgeheim hofft Francioni vermutlich, dass diese Wette aufgeht, damit er nicht am Ende alleine dasteht.

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