Deutsche Konzerne
Zwang zum Wachsen

Der Wind hat sich gedreht: Während in den vergangenen Jahren Ausländer in Deutschland auf Einkaufstour unterwegs waren, wird seit gut einem Jahr zurückgekauft: Deutsche Konzerne treten wieder verstärkt als Akquisiteure auf.

HB DÜSSELDORF. Noch 2004 gingen bei den zehn größten Deals sechs deutsche Unternehmen an Ausländer, darunter so traditionsreiche Namen wie Messer-Griesheim oder Dynamit-Nobel. Nur bei drei Übernahmen waren die Deutschen auf der Käuferseite. Auch wenn Vorhaben wie die geplante Übernahme von Engelhard durch BASF noch im Feuer stehen, so zeigt sich doch, dass sich diese Relation umkehrt. Hauptmotiv ist, dass deutsche Unternehmen ihre globale Positionierung in ausgesuchten Wachstumsmärkten stärken und durch Zukäufe passgenauer Unternehmen die Marktführerschaft erreichen oder absichern wollen, analysiert Hendrik Hilgert von der Citibank.

Beispiele dafür sind der Kauf des britischen Logistikkonzerns Exel durch die Deutsche Post, der Griff von Fresenius Medical Care nach Renal Care, von Adidas-Salomon nach Reebok und von Tui nach CP Ships. Sie gaben das Muster strategischer Ergänzung vor, dem Thyssen-Krupp mit Dofasco, BASF mit Engelhard oder Linde mit BOC nacheifern.

Das Ziel ist nicht schiere Größe, sondern globale Marktführerschaft in klar definierten Segmenten. Jedenfalls in der Theorie. Noch fehlt allerdings der Beweis, dass die Verschmelzung zur Global Company tatsächlich klappt. Finanziell jedenfalls sind die großen deutschen Konzerne gerüstet: Die Bilanzen zeigen, dass die Kriegskassen mit 100 bis 120 Milliarden Euro an liquiden, sehr schnell einsetzbaren Mitteln prall gefüllt sind. Steigende Gewinne im laufenden Jahr lassen sie weiter anschwellen. Zudem haben fast alle Konzerne ihre Verschuldung deutlich heruntergefahren; niedrige Zinsen erleichtern die Refinanzierung auch großer Deals. Die eigene Aktie als Akquisitionswährung ist aus der Mode gekommen, nachdem das wie bei Vodafone-Mannesmann nur zu aufgeblähten Phantasiebewertungen führte.

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