Deutsche Post
Amerika ist Pflicht

War das wirklich schon der Befreiungsschlag? Frank Appel, der neue Mann an der Spitze der Deutschen Post, präsentierte auf der Hauptversammlung einen neuen Mann an der Spitze des seit Jahren defizitären Geschäfts mit schnellen Paketen in den USA.
  • 0

Frei nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“ soll das wohl signalisieren: Appel räumt in den USA auf. Denn an der Börse wartet man seit Monaten auf eine Lösung für eine der größten Baustellen der Deutschen Post: die Milliardenverluste im US-Expressgeschäft von DHL. Durch die Personalie soll wohl das Warten verkürzt werden. Eine Lösung ist das nicht. Denn nach wie vor will Appel erst Ende Mai sein neues Konzept für die USA präsentieren.

Appel steht unter Druck. Denn an der Börse wird einer Entscheidung entgegengefiebert. 2008 erwarten Analysten ein Minus von 500 Millionen Euro in den USA. Das (und auch die scheinbar unendliche Diskussion über die Postbank) belastet die Post-Aktie. Sie notiert wieder unter ihrem Emissionskurs von 21 Euro. Die Aktionäre murrten auf der Hauptversammlung aber nur leise. Noch hat Appel einen Bonus, den des Neuen, ihm gibt man Zeit. Schließlich muss Appel die Suppe auslöffeln, die ihm sein Vorgänger Klaus Zumwinkel eingebrockt hat, der wegen einer privaten Steueraffäre das Unternehmen verlassen hat.

Doch eins ist jetzt schon klar: Eine spektakuläre Entscheidung wird es nicht geben. Denn der Wechsel an der Führungsspitze in den USA signalisiert eine hausgemachte Lösung. Die Post wird sich wohl auf lukrative Ballungsräume in der Zustellung und auf die Zusammenarbeit mit regionalen Paketdiensten oder der US-Post zurückziehen. Die schlechte Nachricht: Dies würde zu einem langsameren Abbau der Verluste führen als bei einem echten Befreiungsschlag, also der Kooperation mit einem großen Zustell-Partner wie Fedex oder sogar dem Ausstieg aus dem US-Geschäft.

Und noch ein Indiz: Appel verzichtete darauf, ein Gewinnziel für die USA zu nennen. Offenbar hat sich die Post bereits auf weitere Verlustjahre eingestellt. Ursprünglich sollte 2010 unter dem Strich eine schwarze Zahl stehen. Davon ist nun keine Rede mehr. Aus gutem Grund. Die Sanierung des US-Geschäfts aus eigener Kraft ist die einzige Alternative für die Post-Tochter DHL, um weiterhin kräftig auf dem so wichtigen US-Markt ganz vorne mitzumischen.

Ein vollständiger Rückzug kommt nicht infrage. Das hat Appel klargestellt. Aus strategischer Sicht wäre das für den weltweit tätigen Logistikkonzern schlicht eine Katastrophe. Zu viele Aufträge müssten Konkurrenten überlassen werden, die ihren Kunden Komplettangebote in der Logistik machen können. Die Lücke in der Logistikkette wäre ganz schlecht fürs Geschäft. Für die Deutsche Post ist es enorm wichtig, auf ein weltweites Netz zurückgreifen zu können. Präsenz in den USA, einem der größten Postmärkte, ist da Pflicht.

Eine Kooperation mit einem der beiden Marktführer wie Fedex – UPS kommt als Erzrivale wohl kaum in Betracht – ist ebenfalls keine Lösung, sondern auf Dauer sogar von Nachteil. Gespräche mit Fedex über eine Partnerschaft sind laut Analysten daher im Sande verlaufen. Die Post ist zu groß, um als Juniorpartner in einer Kooperation existieren zu können. Sie müsste dann die eigenen Interessen in anderen Märkten zu stark zurückstellen. Appel wäre gut beraten, dem Druck der an kurzfristigen Erträgen orientierten Finanzmärkte zu widerstehen. Ihm sollte es um die langfristige Konzernstrategie gehen.

Gerade UPS hat vorgemacht, wie es geht: durch Sturheit. UPS hat 20 lange Jahre benötigt, um in Deutschland und Europa profitabel zu arbeiten. Doch das Management hielt – trotz Börsengangs und ungeduldiger Investoren – an seiner Strategie fest, um insbesondere den Großkunden im wichtigen Markt Europa ein komplettes Zustell- und Transportangebot machen zu können. Mit Erfolg: Das europäische Netz ist nun eine Stütze der enormen Rendite von UPS.

Fedex dagegen muss heute Lehrgeld bezahlen. Die Nummer zwei im US-Paket- und Expressgeschäft droht in Europa zu einem Nischenspieler für interkontinentale Eiltransporte zu werden. Denn Fedex ist 1992 wegen hoher Verluste aus dem Europageschäft ausgestiegen. Ein schwerer Fehler. Heute sucht Fedex wieder europäische Anbindung. Ein abschreckendes Beispiel für Appel.

Kommentare zu " Deutsche Post: Amerika ist Pflicht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%