Deutsche Post
Analyse: Sanfte Wende

Der König ist tot, es lebe der König! Führungswechsel sind in der Politik dank funktionierender Verwaltungen oft relativ einfach zu bewerkstelligen. Gleiches gilt in der Regel auch für Großkonzerne. Doch dort soll der Austausch des Chefs nicht selten für einen radikalen Wechsel in der Unternehmensführung sorgen. Auch so bei der Deutschen Post?
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Der König ist tot, es lebe der König! Führungswechsel sind in der Politik dank funktionierender Verwaltungen oft relativ einfach zu bewerkstelligen. Gleiches gilt in der Regel auch für Großkonzerne. Doch dort soll der Austausch des Chefs nicht selten für einen radikalen Wechsel in der Unternehmensführung sorgen. Auch so bei der Deutschen Post?

Wohl eher nicht. Die von Investoren und dem Finanzmarkt geforderte Kurskorrektur hin zu mehr Profitabilität ist längst eingeleitet. Der Konzern wird auch nach dem Rücktritt von Klaus Zumwinkel in einem guten Fahrwasser bleiben.

Für die Deutsche Post ist die Ära Zumwinkel, eines der letzten Vertreter der Deutschland AG, seit Freitag Vergangenheit. Er stand für den erfolgreichen Umbau der Behördenpost zu einem weltweit tätigen Logistikkonzern. Doch galt Zumwinkel zuletzt Anlegern und Investoren als „Mann von gestern“ und als Bremser, dem keine Antworten auf die künftigen Herausforderungen des Konzerns mehr zugetraut wurden. Denn wie soll es weitergehen im defizitären US-Expressgeschäft, mit der Postbank und nach dem Wegfall des Briefmonopols? Wie lässt sich nachhaltig die mangelnde Profitabilität des Konzerns verbessern, und wie lässt sich die schwache Performance der Aktie Gelb aufmöbeln?

Auf diese Fragen soll nun voraussichtlich Frank Appel die Antworten geben. Er gilt in Finanzkreisen als Hoffnungsträger und auch beim Hauptaktionär Bund als kommender Mann. Noch ist er Logistikvorstand der Post. Egal, ob sich der Aufsichtsrat bereits heute in einer Sondersitzung zu einer offiziellen Ernennung Appels durchringt oder erst Anfang März zur Bilanzpressekonferenz: Klar ist, dass Appel übernimmt.

Doch steht der promovierte Neurobiologe für radikale Veränderung? Wird er aus dem schwerfälligen Tanker Post eine Flotte kleiner Schnellboote machen? Nein. Denn Appel ist der Ziehsohn Zumwinkels und tritt in die (recht großen) Fußstapfen seines Vorgängers. Gemeinsam mit seinem Mentor hat er längst eine „sanfte“ Kurskorrektur eingeleitet: Die Post soll profitabler, das US-Geschäft bereinigt und die Postbank verkauft werden. Das Briefgeschäft wird auf Servicequalität und Effizienz getrimmt. Zumwinkels vorzeitiger Abgang kam sozusagen außerplanmäßig. An der Strategie wird sich im Großen und Ganzen nichts ändern.

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