Deutsche Post
Angeschlagen

Die gute Nachricht vorweg: Es wird nicht gestreikt! Post-Chef Klaus Zumwinkel und der Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben sich darauf verständigt, über die strittige Arbeitszeitverlängerung bei Beamten erst einmal zu verhandeln.

Sonst wären ab Januar Briefkästen leer geblieben, Pakete nicht zugestellt worden. Die schlechte Nachricht: Zumwinkel ist eingeknickt. Warum sollen Post-Beamte nicht wie alle anderen Bundesbeamten 41 Stunden in der Woche arbeiten? Und die Forderung der Gewerkschaft, im Gegenzug die Arbeitszeit bei den Post-Angestellten auf 35 Stunden zu verkürzen, grenzt schon an Absurdistan. Doch jenseits der gewerkschaftseigenen Logik wirft der Weihnachtspakt der Post ein Licht auf den Chef dieses Logistikkonzerns. Was will, was kann Herr Zumwinkel eigentlich verhandeln? Nichts! Jedenfalls nichts, was die Arbeitszeit seiner 60 000 Beamten betrifft. Das ist eine Angelegenheit des Bundes. Und der hat nun einmal beschlossen, dass alle seine Beamten 41 Wochenstunden schaffen sollen. Es sei denn, die große Koalition in Berlin erließe in ihrer ebenso großen Güte eine neue Lex Post.

Doch selbst mit diesem starken Argument in der Hand gibt Zumwinkel nach – und verhandelt. Am Ende kann nur ein Kompromiss herauskommen, der die Wirtschaftlichkeit des Bonner Konzerns schwächt. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der dem ehemaligen Vollmonopolisten das letzte lukrative Teilmonopol bei den Briefsendungen wegbricht. Zumwinkel hatte schon beim jüngsten Personalrevirement der Deutschen Telekom keine gute Figur gemacht. Jetzt musste er erneut nachgeben. Das sieht so gar nicht mehr nach dem erfolgreichen starken Mann an der Spitze des ehemaligen Bundesunternehmens aus.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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