Deutsche Post: Auf Schlingerkurs

Deutsche Post
Auf Schlingerkurs

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Während in Bonn die Hütte brennt, fährt Post-Chef Klaus Zumwinkel Ski auf dem Manager-Treffen in Davos. Der Mann scheint reif fürs Altenteil, höhnten Medien. Mit dem Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wird gleich ein Name für den Nachfolger ins Rennen geschickt. Zu Hause in Bonn muss derweil Finanzchef John Allan die Kohlen aus dem Feuer holen: Durch Verluste im US-Geschäft mit schnellen Paketen ist der Gewinn der Post stark eingebrochen.

Die Deutsche Post gibt zurzeit also kein gutes Bild ab in der Öffentlichkeit. Aber vieles, was über sie kursiert, ist auch falsch. Zuerst einmal: Der begeisterte Skifahrer Zumwinkel war beim traditionellen Abschluss-Rennen in Davos bereits abgereist. Übrigens gemeinsam mit Post-Vorstand Frank Appel, der als potenzieller Nachfolger Zumwinkels gilt – zumindest als heißester hausinterner Kandidat. Denn Zumwinkels Vertrag als Vorstandschef läuft im November aus. Dass eine Besetzung von außen mit einem in der Postbranche völlig unerfahrenen Manager erfolgen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Zumal Zumwinkel den Aufsichtsrats-Vorsitz übernehmen möchte.

In Bonn glaubt niemand, dass Zumwinkel abheuert, ohne die Post in sicherem Fahrwasser zu wissen. „Der wirft nach knapp 20 Jahren an der Spitze der Post nicht einfach hin“, heißt es in Bonn. Er will den Konzern seinem Nachfolger in gutem Zustand übergeben.

Dazu hat er ihn Ende des vergangenen Jahres auf neuen Kurs gebracht. Bereits Anfang November 2007 hat Zumwinkel einige Tabus der Konzernstrategie über Bord geworfen: Nun darf wieder über den Verkauf der Postbank nachgedacht werden. Für das seit Jahren defizitäre US-Expressgeschäft der Tochter DHL soll auch rasch eine Lösung gefunden werden. Alle Optionen werden geprüft, selbst ein Verkauf. Um den Gedankenspielen Nachdruck zu verleihen, hat Zumwinkel den Finanzchef des Konzerns ausgetauscht und mit Edgar Ernst sogar einen alten Vertrauten nach Hause geschickt. John Allan, der Ex-Chef des britischen Neuzugangs Exel, soll nun unbefangen ans Werk gehen.

Allan lässt erste Taten folgen. Mit hohen Abschreibungen räumt er in den USA auf. Umbaumaßnahmen wurden angekündigt. Das kommt an der Börse an. Doch Allan bleibt vorsichtig. Er stellt auch klar, dass die Post eine „signifikante Präsenz“ im US-Markt behalten werde. Ein kompletter Rückzug steht wohl doch nicht zur Debatte. Der Geschäftszweig ist für die Post von strategischer Bedeutung. Zu viele Aufträge hängen an einer Präsenz in den USA.

Dennoch brodelt es in der Gerüchteküche. Die US-Konkurrenten Fedex, die US-Post und auch Erzrivale UPS werden als mögliche Käufer des seit Jahren defizitären US-Expressgeschäfts gehandelt. Denn die Zustellung von Eilsendungen innerhalb der USA hat sich für die Post zum Milliardengrab entwickelt. Mit Uwe Dörken ist bereits ein Vorstand über seine Fehleinschätzung gestolpert. Geschätzte sieben Milliarden Euro hat der US-Ausflug bislang gekostet. Gewinne sind angesichts der schwachen konjunkturellen Entwicklung in den USA nicht in Sicht. Auf eine Prognose will sich Zumwinkel gar nicht mehr einlassen.

Die Analysten von Morgan Stanley warnen sogar bereits vor einem Fiasko à la Daimler-Chrysler Daimler hat Chrysler bekanntlich verkauft und an der Börse viel Applaus geerntet. Doch einen Verkauf plant Zumwinkel offenbar nicht. Und auch Fedex, UPS und die US-Post dürften wohl nur am Geschäft der deutschen Post-Tochter DHL interessiert sein und nicht an zusätzlichen Flughäfen, Lagerhallen, LKWs und Mitarbeitern. Die haben sie bereits selbst.

Doch scheint auch klar, dass die Post ohne einen Partner gegen die Übermacht von Fedex und UPS in den USA kaum bestehen kann. DHL wird sich daher wohl auf wenige Kernbereiche wie beispielsweise das internationale Geschäft und die Zustellung in Ballungsräumen beschränken. Für die Zustellung in den USA wird die Deutsche Post – wie im Übrigen auch der niederländische Konkurrent TNT

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