Deutsche Telekom
Analyse: Ein heißer Ritt

Die Kapitalmärkte werden am Donnerstag mit Argusaugen auf die Deutsche Telekom blicken. Der einstige Monopolist präsentiert Halbjahreszahlen, die dieses Mal sehr brisant sind: Fallen sie besonders schlecht aus, könnte das dazu führen, dass der Konzern zum dritten Mal sein Gewinnziel für das laufende Jahr korrigieren muss.
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Auch für Konzernchef René Obermann sind die Zahlen von besonderer Bedeutung. Seinen Vorgänger Kai-Uwe Ricke hatte die zweite Korrektur des Gewinnziels für 2007 im vergangenen Herbst den Kopf gekostet. Frisch im Amt wollte Obermann es besser machen und hat die Messlatte noch einmal nach unten justiert. So wurden aus einem Gewinnziel vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 22,2 Milliarden Euro gerade einmal 19 Milliarden.

Doch an den Finanzmärkten fürchten einige bereits, dass Obermann auch dieses Ziel verfehlen könnte. Zwar rechnet niemand damit, dass dies bereits morgen feststeht. Aber die Experten werden die Quartalszahlen genau darauf abklopfen, ob sich nach den schlechten ersten drei Monaten weitere Anzeichen dafür finden, dass die Prognose wackelt.

Drei Faktoren sind dabei von Interesse: Besonders kritisch dürften die Experten die Ergebnisse der Geschäftskundentochter T-Systems studieren. Im März hatte Obermann angekündigt, dass er für einen Großteil dieser Sparte einen Partner suche. Er wollte damit eine schnelle Lösung für den kriselnden Bereich präsentieren. Doch das ging schief. Bislang fand sich kein Teilhaber. Obermann hat sich durch seine öffentliche Ankündigung nicht nur selbst unter Zugzwang gesetzt. Er hat auch potenzielle Neukunden verschreckt. Schließlich will niemand einen Vertrag abschließen, ohne zu wissen, mit wem er es künftig zu tun hat.

Nun greift der Telekom-Chef offenbar auf Plan B zurück und will nur noch einen kleinen Teil der Sparte in eine Partnerschaft einbringen. Selbst wenn ihm dies gelingen sollte, würde nach der fulminanten Ankündigung vom März der schale Beigeschmack bleiben, dass diese Lösung nur aus der Not geboren ist. Zudem würde eine Mini-Partnerschaft die Probleme der erodierenden Gewinne von T-Systems nicht voll ausräumen. Bei der Tochter stehen harte Sanierungsmaßnahmen an, die Obermann nun aus eigener Kraft meistern muss. Aber den Geschäftszahlen hätte ein zügiger Verkauf mehr genutzt.

Die zweite Baustelle, die Experten mit Spannung beobachten, ist das Festnetzgeschäft. In den ersten drei Monaten haben 588 000 Kunden ihren Telefonanschluss bei der Telekom gekündigt – und damit noch einmal mehr als im Schnitt des vergangenen Jahres. Das ist bitter, weil der Telekom mit jedem Festnetzkunden schätzungsweise 30 Euro Umsatz pro Monat verloren gehen.

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