Deutsche Telekom
Kapitän Panik

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Das hat wehgetan. Um 13 Prozent ist der Kurs der Deutschen Telekom gestern eingebrochen. Weniger als zehn Euro kostete das Papier zeitweise. Da werden schlimme Erinnerungen wach. Vor fünf Jahren, in der tiefsten Krise des Konzerns, hatte die einst bejubelte Volksaktie das letzte Mal so viel – oder besser so wenig – gekostet.

Doch gerade dieser Vergleich zeigt, wie übertrieben die Investoren mittlerweile reagieren. Natürlich hat der ehemalige Staatsmonopolist im Festnetz zu kämpfen. Auch in anderen Sparten wie den IT-Dienstleistungen gibt es Großbaustellen. Aber dem stehen Geschäfte gegenüber, die attraktiv sind, wie etwa der Mobilfunk. Zudem ist das Unternehmen wieder auf internationalen Expansionskurs gegangen, zuletzt in Griechenland.

Auch wenn die Telekom schon lange kein Wachstumswert mehr ist, die gestrige Reaktion der Anleger war und ist unverständlich. Nun könnte man dem Management kommunikatives Versagen vorwerfen. So hat es gestern zwar nichts grundsätzlich Neues verkündet. Aber es wurden bekannte Prognosen mit mehr Details angereichert. Doch im Ernst: Keiner, auch nicht noch so erfahrene Finanzmarkt-Experten, hätte absehen können, wie heftig die Anleger auf solche Nuancen reagieren.

Am Ende zeigt der Fall der Deutschen Telekom vor allem eines: Auf dem Parkett hat Kapitän Panik das Kommando übernommen. Das spürte gestern nicht nur der Telekomriese. Auch der italienische Rivale kam unter die Räder. Die Gewinnwarnung von Sony Ericsson dürfte das Ihrige zu der Stimmung beigetragen haben, auch wenn hier ein ganz anderes Geschäft betroffen ist. Doch auch Kapitän Panik sollte nicht vergessen: Wer beim ersten Wölkchen am Horizont sofort sämtliche Segel einholt, wird sein Ziel niemals erreichen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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