Deutsche Telekom
Ohne US-Tochter wenig wert

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Der Kauf des fünfgrößten amerikanischen Mobilfunkers Alltel für umgerechnet 20 Milliarden Euro lässt interessante Rückschlüsse auf die Deutsche Telekom zu. Zum einen rückt er den Kaufpreis, den der Bonner Konzern vor sechs Jahren für seine amerikanische Mobilfunktochter gezahlt hat, in eine neue Relation. 50 Milliarden Euro inklusive Schulden zahlte der damalige Konzernchef Ron Sommer für Voicestream. Der Preis galt 2001 als völlig überzogen und markierte den Anfang von Ende der Ära Sommer. Nun legen die Alltel-Käufer 2200 Dollar pro Kunde auf den Tisch. Übertragen auf T-Mobile USA würde das bedeuten, dass die Telekom-Tochter heute 42 Milliarden Euro wert ist. Sommers Kauf erscheint damit nachträglich in einem etwas freundlicheren Licht.

Aber nicht nur das: Die Rechnung zeigt auch, dass der gesamten Konzern Deutsche Telekom ohne die US-Tochter kaum etwas wert ist. Die Marktkapitalisierung der Telekom liegt bei 55 Milliarden Euro – und damit nur 13 Milliarden über dem Preis, der sich allein für die US-Tochter erzielen ließe. Daraus folgt, dass die Telekom ihre Tochter in den Vereinigten Staaten auf keinen Fall verkaufen darf – sonst würde der ohnehin gebeutelte Kurs der T-Aktie kein Halten mehr kennen.

Telekomchef René Obermann bemüht in diesen Tagen während Streiks gerne die Drohung, dass der Konzern zerschlagen werde, wenn die Gewerkschaft die geplanten Reformen in Deutschland weiter blockiere, weil die Einzelteile der Telekom mehr wert seien als der Gesamtkonzern. Diese These belegt das Rechenbeispiel eindrucksvoll. Da der Bund aber immer noch ein Drittel der Telekom-Aktien hält, dürfte die Drohung vorerst ein theoretisches Beispiel bleiben – ebenso wie ein Verkauf der US-Tochter.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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