Deutsche Top-Unternehmen
Zu wenig Gewinn

In vielen Punkten hat sich die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren immer stärker an das angelsächsische System angenähert: Die Orientierung an den Aktienmärkten, das Verständnis von Unternehmensführung, die Macht der Ratingagenturen, die Reform der Bilanzierung und die wachsende Rolle von Finanzinvestoren sind Beispiele dafür.

Doch einen fundamentalen Unterschied gibt es immer noch: Die deutschen Top-Unternehmen arbeiten im Durchschnitt deutlich unrentabler als angelsächsische, aber auch als andere europäische Konzerne.

Die aktuelle Rangliste der 500 größten börsennotierten Unternehmen Europas, die das Handelsblatt heute veröffentlicht, belegt das deutlich: Die 20 größten britischen Unternehmen kommen zusammengerechnet auf eine Umsatzrendite von 5,4 Prozent, die Top 20 der Franzosen erreichen noch 2,7 Prozent, doch die 20 deutschen Spitzenreiter sind mit mageren 1,5 Prozent weit abgeschlagen. Der Gewinn je Beschäftigten liegt bei den Briten mit 22 164 Euro fast fünfmal so hoch wie bei den Deutschen, die auf 4 578 Euro kommen; die Franzosen liegen bei 7 709 Euro.

Der Rendite-Rückstand ist also trotz aller Kostensenkungsprogramme und Shareholder-Value-Debatten so gravierend wie eh und je. Drei Aspekte sind zu berücksichtigen: Erstens sind deutsche Unternehmen nach wie vor für das internationale Kapital weniger interessant als die anderer Industriestaaten. Das drückt sich dann auch in den Börsenbewertungen aus: Während die britischen Top 20 an der Börse zusammen knapp eine Billion Euro wert sind, kommen die deutschen nur auf 428 Milliarden.

Zweitens heißt das, dass der Druck auf die deutschen Konzerne zur Kostensenkung anhalten wird. Entweder wird der Standort Deutschland günstiger oder weitere Arbeitsplätze wandern ab. Ein Konjunkturaufschwung reicht nicht, um die Renditelücke zu schließen.

Drittens geht es nicht nur um die Kosten: Auch Management und Marktstruktur spielen eine Rolle. Das zeigt sich in der Finanzbranche. Die neun Banken und Versicherungen in den britischen Top 20 verdienten insgesamt 27 Milliarden Euro, die fünf in der deutschen Oberliga kamen auf 1,5 Milliarden Euro Verlust.

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