Deutsche Wirtschaftspolitik
Pawlowsche Politik

Wer in diesen Tagen deutsche Wirtschaftspolitik verstehen will, sollte bei Iwan Petrowitsch Pawlow nachschlagen. Von dem Physiologen und Petersburger Militärarzt stammt die Theorie der „bedingten Reflexe“: Bei Pawlows Laborhunden floss der Speichel bereits, wenn der Professor nur mit dem Fressnapf klapperte.

Wer in diesen Tagen deutsche Wirtschaftspolitik verstehen will, sollte bei Iwan Petrowitsch Pawlow nachschlagen. Von dem Physiologen und Petersburger Militärarzt stammt die Theorie der „bedingten Reflexe“: Bei Pawlows Laborhunden floss der Speichel bereits, wenn der Professor nur mit dem Fressnapf klapperte. Pawlowsche Reflexe in den großen Parteien löst der Begriff „feindliche Übernahme“ aus. Seit der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis ins Visier des Konkurrenten Sanofi geraten ist, redet es aus Roland Koch, Wolfgang Clement i tutti quanti nur so heraus.

Der hessische Ministerpräsident (angeblich wirtschaftsnah) warnt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Der Bundeswirtschaftsminister (angeblich sozialdemokratisch) will den „Augapfel“ der deutschen Pharmaindustrie behüten. Dabei stehen wir nur am Anfang eines langen Übernahmeversuchs, der sich durchaus noch in eine friedliche Fusion verwandeln kann.

Politiker sollten sich in diese Auseinandersetzung zwischen börsennotierten Gesellschaften nicht einmischen. Niemand verlangt es von ihnen, und weder eine Landes- noch die Bundesregierung verfügt über einen Wissensvorsprung. Das Wort haben jetzt die Eigentümer, die Aktionäre. Sie müssen beurteilen, ob ihre Unternehmen durch einen Zusammenschluss gestärkt werden.

Alles Gerede vom Schutz deutscher Standortinteressen vor den Franzosen ist bei einem Konzern mit Sitz in Frankreich wie Aventis, der von einem französischen Manager geführt wird, besonders absurd. Warnungen vor der drohenden Schwächung der deutschen Pharmaforschung klingen aus dem Mund von rot-grünen Regierungspolitikern wie Hohn: Mit ihren Gesetzen zur Genforschung und industriefeindlichen Genehmigungsverfahren für neue Anlagen haben sozialdemokratische und grüne Minister mehr Schaden für unsere Arzneimittelforschung angerichtet, als von Sanofi je zu befürchten wäre.

Fusionen sind aus der Pharmabranche nicht wegzudenken: Einigermaßen sichere Arbeitsplätze, das Hauptargument der Politiker, bieten heute nur noch Unternehmen mit Potenzial als Weltmarktführer. Wer den Wandel heute aufhalten will, gefährdet nur die Jobs von morgen.

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