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Deutschland fällt zurück

Italiener kaufen eine deutsche Bank, Spanier eine britische, Franzosen eine italienische. Besonders expansiv sind die Österreicher, die in Mittel- und Osteuropa inzwischen die Finanzindustrie dominieren.

Und nun will die britische Barclays Bank mit der holländischen ABN Amro zusammengehen. Grenzüberschreitende Fusionen sind in Europa nicht mehr die skeptisch beobachtete Ausnahme, sondern sie werden zur Regel. Nur die Deutschen wollen partout nicht aktiv mitspielen. Ausgerechnet das führende Industrieland Europas, der stolze Exportweltmeister, lässt die internationale Konsolidierung der Kreditwirtschaft vorbeilaufen, als sei Deutschland eine Insel.

Das hat mittlerweile bittere Folgen für die hiesigen Institute: Sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundensegment machen ausländische Wettbewerber in Deutschland immer bessere Geschäfte, während die Marktanteile und Margen deutscher Banken kräftig unter Druck geraten.

Tatsächlich geben sich weite Teile der deutschen Kreditwirtschaft wie die Bewohner einer ostfriesischen Insel, deren Sorge allein der Standfestigkeit der Uferbefestigung gilt. Während führende europäische Banken wie Unicredit, UBS und Santander stets Ausschau halten nach rendite- und wachstumsstarken Zukunftsmärkten jenseits der Landesgrenzen, investieren in Deutschland Sparkassen und Volksbanken, also drei Viertel des Marktes, viel Zeit und Geld in die Festigung der alten Strukturen. Der absurde Kampf gegen die Ausweisung von Stammkapital und für den Erhalt des Regionalprinzips ist vielen Managern des öffentlich-rechtlichen Lagers wichtiger als die Frage, wie der internationale Rückstand der deutschen Finanzindustrie verringert werden kann.

Die einzige deutsche Bank, die bei grenzüberschreitenden Fusionen mitmischen könnte, ist die Deutsche Bank. Aber Vorstandschef Josef Ackermann will nicht, weil für ihn das globale Investment-Banking sowie die Expansion in China und Indien wichtiger sind. Außerdem fürchtet er zu Recht um den Frankfurter Sitz der Bank und um die Rendite. Wenigstens eine Bank von Weltrang braucht das Land aber.

Auch die Commerzbank könnte auf Europas Bühne eine Rolle spielen, hätte aber eher den unattraktiven Part des Übernahmeziels. Das mag zwar manchen Börsianer verzücken, weil es den Aktienkurs in die Höhe triebe, aber ein Fortschritt für den Finanzplatz Deutschland wäre dies nicht.

Es führt also kein Weg daran vorbei, dass die selbstverliebt-untätige Mehrheit der deutschen Kreditwirtschaft ihr Schneckenhaus verlässt. Zum Beispiel das Genossenschaftslager: Wer glaubt, dass die dringend nötige Fusion der Spitzeninstitute DZ und WGZ

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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