Deutschland nach der Wahl
Leider verwählt

Statt die erhoffte Aufbruchstimmung auszulösen hat die Wahl Deutschland in eine Krise gestürzt. Die Wähler hatten klare Alternativen – und haben sich vor einer Entscheidung gedrückt. Das Ergebnis in Nordrhein-Westfalen ist symptomatisch. Dort wurde im Mai ein populärer SPD-Ministerpräsident abgewählt. Gestern erhielt Rot-Grün wieder eine klare Mehrheit in dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

Die Folgen dieses Wankelmuts sind jetzt schon spürbar. Die Wirtschaft ist verunsichert, das Ausland geschockt – auf den nächsten Titel des „Economist“ darf man gespannt sein.

Unionskandidatin Angela Merkel hat für ihr Reformprogramm nicht das erhoffte Mandat erhalten. Sie muss nun aus einer Position der Schwäche heraus ein Regierungsbündnis schmieden. Bei einer großen Koalition stünde eine geschwächte Union einer erstarkten SPD auf Augenhöhe gegenüber. Beide Parteien erheben den Führungsanspruch – denkbar schlechte Aussichten also für die erforderliche Grundsanierung von Staatsfinanzen und Sozialsystemen.

Die Jamaika-Variante, eine Koalition von Schwarz, Gelb und Grün, hätte den Vorteil einer klaren Hierarchie. Aber ein solches Bündnis müsste den Segen der Grünen-Basis finden. Und das dürfte angesichts der Gegensätze in der Energie- und Forschungspolitik selbst den Grünen-Übervater Joschka Fischer überfordern.

Ohnehin wären beide Konstellationen so instabil, dass nur die Hoffnung bleibt, dass sie keine vier Jahre lang halten. Und dass die Wähler beim nächsten Mal den Mut zu einer klaren Entscheidung finden.

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