Die Erwartungen sind groß, doch die meisten Anleger reagieren nicht
Die Börsen hegen viel Hoffnung

Die Anleger am deutschen Kapitalmarkt erwarten klar positive Effekte für die Börsen und setzen die vorgezogene Bundestagswahl mit einem Regierungswechsel gleich. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten von Sentix in einer Blitzumfrage unter 400 Investoren.

HB DÜSSELDORF. Analysten heben ebenfalls den Stimmungsumschwung hervor. Gleichzeitig warnen sie aber vor zu großen Hoffnungen. Mehr als die großen Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) dürften kleinere und auf das Inland orientierte Firmen profitieren.

Vor allem auf kurze Sicht erwarten die Anleger positive Impulse. Davon gehen besonders die rund 100 befragten institutionellen Investoren aus (64 Prozent). Weitere elf Prozent rechnen sogar mit einem starken Aufschwung. Träger der Umfrage ist der Frankfurter Investmentstratege Manfred Hübner. Sentix zählt zu den führenden Kapitalmarktumfragen in Europa.

Auch die Analysten der West LB machen eine positive Stimmung aus. „Zunächst erwarten wir einen positiven Stimmungsumschwung. Daran haben wir keinen Zweifel“, meint Hendrik Garz. Investoren interpretierten die politischen Ereignisse als Signal, dass sich Deutschland bewege und das Land aus seiner Lethargie und ökonomischen Stagnation ausbricht. Nicht zuletzt deshalb werden deutsche Aktien seit Jahren mit einem Bewertungsabschlag gegenüber den Anteilsscheinen in den USA, aber auch vielen anderen Ländern in Europa gehandelt.

Auf der anderen Seite zeigt die Umfrage von Sentix aber auch, dass die wenigsten Anleger schon jetzt bereit sind, mehr Aktien zu kaufen. „Die Anleger rechnen zwar mit positiven Effekten, positionieren sich momentan aber nicht entsprechend“, sagt Hübner. Gefragt nach ihrem künftigen Investitionsverhalten äußerte sich die Mehrheit reserviert. Weniger als zehn Prozent der Befragten wollte an den Börsen sofort reagieren. Lediglich sehr kurzfristig orientierte Anleger versuchten sich die Effekte der positiven Stimmung zu Nutze zu machen, meint der Sentix-Experte.

Diese Haltung ist aus Sicht von Analysten der Investmentbanken verständlich. „Kurzfristig wird sich, abgesehen von einer gewissen Stimmungsaufhellung, an dem börsenmäßigen Umfeld wenig ändern“, glaubt Chefvolkswirt Wolfgang Pflüger von der Hamburger Berenberg Bank. Der Grund: Ein verbessertes Beschäftigungs- und Wachstumsklima in Deutschland kommt in erster Linie denjenigen Unternehmen zu Gute, die stark an den Heimatmarkt gebunden sind, also vor allem Mittelständler im Handwerk oder in der Dienstleistung. Dazu zählen die 30 Dax-Firmen zweifellos nicht. Sie erwirtschaften weit mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland. „Die großen Dax-Unternehmen haben ja schon längst ihre Konsequenzen aus Globalisierung und Arbeitsmarktverhältnissen gegenüber den Kosten des Sozialsystems gezogen“, sagt Pflüger. Bei aller verständlichen Euphorie dürfe nicht vergessen werden, dass Reformen ein Prozess von mehreren Jahren seien.

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