Die Grünen
Von jungen Wilden keine Spur

Grün ist die Hegemonie, unter der die moderne Gesellschaft steht und damit extrem mehrheitsfähig. Eigentlich eine ideale Ausgangslange für die Grünen im Wahlkampf. Doch die Partei scheint langsam zu ergrauen.
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Seit Gründung der Grünen hat die grüne Idee einen Triumphzug hingelegt. Sie hat die Glaskuppel des Parlaments gesprengt und den Samen in der deutschen und europäischen Gesellschaft verstreut. Grün ist die Hegemonie, unter der die moderne Gesellschaft steht: Bio, Öko, Nachhaltigkeit, Anti-Atom, Anti-Gen, Naturschutz und so weiter sind weithin geteilte gesellschaftliche Werte. Diese Übereinkünfte überspringen Parteigrenzen und lassen sich weder exklusiv links noch rechts eintopfen. Sie sind, kurz gesagt, extrem mehrheitsfähig.

Welch ideale Ausgangslage für eine Partei, die unter dem grünen Banner in den Bundestagswahlkampf segelt! Doch muss die Partei die Leute davon überzeugen, dass sie jetzt die Richtigen wählen, um die Idee vital zu halten. Aber: Während die Idee weiter blüht, ist die Partei verblüht. Das gewisse Grau kommt nicht zufällig. Die kandidierenden Alphatiere sind allesamt Gründungsmitglieder, Dinosaurier.

Bekundet haben ihr Interesse für Spitzenposten für die Bundestagswahl 2013: Claudia Roth, Renate Künast, Fraktionschef Jürgen Trittin und auch die Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. In anderen Parteien würde man von Männern und Frauen der ersten Stunde schwelgen oder stöhnen. Die Saison der nachwachsenden Frischlinge jedenfalls ist nicht mehr. Von jungen und wilden Grünen redet kein Mensch. Junge Piraten und politische Freibeuter anderer Camps navigieren mit iPad unterm Segel andere Ufer an.

Warum aber sollte bei den Grünen tabu sein, was bei noch etablierteren Parteien traurige (Ginkgo-)Regel ist? Altersskepsis hat nur dort einen Platz, wo offenkundig Asynchronität mit den Forderungen des Tages und des Neuen, mit dem Hier und Jetzt herrscht. Selbst juvenil Bösgläubige werden den vier Bewerbern um die beiden Spitzenplätze kaum ein Zurückhinken im Räderwerk des Betriebs andichten.

Man mag den einen ablehnen, die andere als nervtötend und das Déjà-vu der alten rot-grünen Regierung als deprimierend empfinden: Die (Regierungs-)Erfahrung gereicht ihnen hingegen nicht zum Nachteil. Dennoch: Eine Art „demografische Brückenkandidatin“ wie die Ostdeutsche Katrin Göring-Eckhardt, zehn Jahre jünger als die Dinos, Bundestagsvizepräsidentin und Präses der Synode der evangelischen Kirche, würde dem Eindruck des immer weiter dominierenden Machtkartells aus dem tiefen Westen - Künast/Trittin/Roth - eine vitale Nuance beimischen, die der Partei gut anstünde.

Zudem wäre die unideologische Reala die Herzdame im doch bevorstehenden Koalitionspoker. Doch die drei vom Machtkartell haben längst Lunte gerochen: Die von Göring-Eckhardt gewiss nicht uneigennützig vorgeschlagene Gruppenlösung lehnt die alte Nomenklatura finster ab. Sie wollen das Ding lieber selber schaukeln. Über solches Ausschlussdenken und auch das seit Jahrzehnten wie geschmiert funktionierende Kooptationsverfahren im Hinterzimmer müssen die Mitglieder befinden. Notfalls doch per Urwahl.

Kommentare zu " Die Grünen: Von jungen Wilden keine Spur"

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  • Rüdiger Scheidges,
    Sie vergessen, das die heutigen Grünen nichts mehr mit der einstigen grünen Bewegung zu tun haben.
    Die heutigen Grünen sind auch keine 68er mehr, außer Ströbele, denn aus dieser 68er-Generation gingen sowohl die Grünen als auch die Friedensbewegung hervor
    Die heutigen Grünen sind Bürgerkinderchen, denen ihr eigenes Geld auch erst einmal wichtiger ist als was anderes.
    Bei jeder Diätenerhöhung sind ihre Fingerchen immer ganz schnell oben
    Sie sind Kapitalisten, haben sie ja gerade in der Koalition mit Schröder bestens gezeigt.
    Oben geben , unten nehmen, das Volk braucht nichts
    Sie kommen z. T. von den kommunistischen und maoistischen Plattformen und habe leider diese Denke bis heute. Daher kommt ja auch ihr Hang zum Bürgergängeln.
    Mit dem Bündnis 90 nach der Wende haben sie sich dann endlich mit den Sozialisten Ost vereinigt. Denn das Bündnis 90 hat j amit den Bürgerrechtlern nichts zu tun, bis auf eingie ganz wenige
    Diese Grünen heute sind stramme Sozialisten/Kommunisten und extrem deutschfeindlich
    Sie haben die Abschaffung Deutschlands auf ihrer Agenda
    Petra Kelly würde sich im Grab umdrehen, wenn sie diesen Dreckhauen erleben müßte

  • Die Grünen haben sich überlebt. Die Themen wurden von den anderen Parteien als Teil ihres meist dürftigen Programms vereinnahmt, teilweise wurden sie von der CDU rechts überholt. Was die EU und den Euro angeht, sind die Grünen ideenlos und offenbar froh, wenn sie die Verantwortung auf die große EU abschieben können, weil sie selbst völlig ahnungslos sind. Eine Opposition sind sie nicht - sie nicken brav alles ab, was Mutti als "alternativlos" zur Abstimmung gibt. Sie sind damit Teil des undemokratischen und gleichgeschalteten Polit-Zirkus geworden, genau wie CDUCSUSPDFDP-Riege. Und genau wie diese geht es nur noch um Macht, Pöstchen und Pfründesicherung. Neue Ideen oder gar Querdenken? Komplette Fehlanzeige. Grüne Scheuklappen, beschränkt auf Umweltzonen und allgemeines Dagegensein im alltäglichen Kleinklein - im Großen jedoch angepaßt und aalglatt. Man könnte diese Melange als verrotteten Grünkohl bezeichnen, denn sie sind mittlerweile so konservativ wie Kohl, nur mit grünem Anstrich.

  • "Selbstdarsteller" und selbsternannte "Kandidaten" bringen die Grünen nicht weiter. Da müssten schon mal neue Namen ran.

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