Die Herausforderin für das Kanzleramt
Schon jetzt hat Merkel Geschichte geschrieben

Bereits nach dem historischen CDU-Sieg in Nordrhein-Westfalen war sicher, dass Angela Merkel die Kanzlerkandidatur der Union nicht mehr zu nehmen war. Und im Gegensatz zu 2002 ging das ganz ohne Streit.

HB BERLIN. "Ein schöner Tag", sagte sie bereits an jenem Sonntagabend im kleinen Kreis beschwingt. Sie lächelte die ganze Woche weiter, auf dem Kirchentag in Hannover, bei der Werbewirtschaft in Berlin. Auch als sie am Montag nominiert war, freute sie sich sichtlich. Als Herausforderin von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sie schon Geschichte geschrieben.

Und doch, so schien es, war ihr trotz des Jubels in der CDU - Zentrale mehr als in vergangenen Tagen bewusst, dass nun eine besondere Herausforderung auf sie zukommt. Jeder Schritt, jede Äußerung wird nun besonders kritisch beurteilt werden. Merkel schraubte die Ansprüche hoch: "Ich verspreche nichts Falsches."

Die CDU-Chefin ist vorsichtig - in der Vergangenheit war sie mitunter gar skeptisch bis misstrauisch. Auch wenn sie jetzt auf dem vorläufigen Gipfel ihrer Macht steht, werden sie gerade die vergangenen Monate in ihrer Vorsicht bestätigen.

Vor dem CDU-Wahlsieg in Schleswig-Holstein stand sie noch mit dem Rücken zur Wand. In der Parteiführung wurde - wieder einmal - abgewartet, ob die "Frau Vorsitzende" noch etwas bewegen könne. Sie kämpfte. "Ich will mir nichts nachsagen lassen", erklärte sie in jenen Tagen, als einige schon den Abgesang angestimmt hatten. Schließlich hatte die CDU-Chefin das, was ein Politiker auch braucht: Glück. Die CDU gewann gegen alle Prognosen im Norden - das einsetzende Gemurmel war mit einem Schlag beendet.

Jetzt geht es für die 50-Jährige nur noch um Top oder Flop. Scheitert sie, noch dazu bei der für die Union günstigen Ausgangslage, ist Merkels Laufbahn beendet. Sie hat kein Auffangnetz wie Stoiber vor drei Jahren. Erste zu sein - diese Erfahrung hat die Pfarrerstochter aus Templin in Brandenburg mehrmals gemacht. Erst mit 35 Jahren kam die Physikerin in die Politik - zunächst als "Mädchen für alles" im Demokratischen Aufbruch während der Wende in der DDR. Sie wurde nach ein paar Monaten schon stellvertretende Regierungssprecherin. Mit 36 wurde sie Ministerin, das "Küken" in Helmut Kohls Kabinett. Nicht jeder der Kabinettskollegen nahm sie anfangs so richtig ernst.

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