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Die Kosten des Terrors

Die britischen Sicherheitsbehörden haben den größten Terroranschlag seit dem 11. September 2001 vereitelt. Die islamistischen Fanatiker wollten buchstäblich die Welt erschüttern. Man kann den Erfolg von Scotland Yard gar nicht hoch genug einschätzen.

Die Briten haben mit ihrer perfekten Polizeiaktion gezeigt, dass wir uns gegen die größenwahnsinnigen Pläne der Terroristen wehren können. So leicht wird es ihnen nicht wieder gelingen, ein Fanal gegen die westliche Welt zu setzen wie bei der Zerstörung des World Trade Centers in New York.

Die Siege gegen den Terrorismus fordern jedoch auch ihren Preis. Stellen wir uns nur für einen Moment vor, die gestrige Ausnahmesituation auf den Londoner Flughäfen würde zum Alltag: noch schärfere Kontrollen an den Flugsteigen, Passagiere müssen ohne Handgepäck an Bord, aus Angst vor Flüssigsprengstoff sortieren Polizisten jede Flasche Coca-Cola oder Mineralwasser aus.

Was wir seit dem 11. September als Passagiere gewöhnt sind, könnte nur der Anfang sein. Man muss nur einmal nach Israel fliegen, um zu verstehen, welche Sicherheitsmaßnahmen ein Leben in konstanter Terrorgefahr mit sich bringt. Seit drei Mitglieder der Volksfront für die Befreiung Palästinas 1968 zum ersten Mal eine El-Al-Maschine entführten, ist es Terroristen nie wieder gelungen, ein israelisches Flugzeug zu kapern. 1970 überwältigten Sicherheitskräfte Leila Khaled, die gefürchtetste Terroristin der damaligen Zeit, an Bord von Flug El Al 219. Möglich waren solche Erfolge der israelischen Sicherheitsbehörden nur durch eiserne Konsequenz und einen finanziellen Aufwand, den wir uns bisher in Deutschland auch nicht annähernd vorstellen können.

Länder, die schon länger mit dem Terror leben, geben uns einen Vorgeschmack auf das, was unsere eigene Zukunft sein könnte. In Spanien gehören beispielsweise strikte Sicherheitskontrollen beim Betreten eines Fernzugs längst zum Alltag. Die USA haben ihre Einreisebestimmungen seit dem 11. September so verschärft, dass die Kontrollen auf den Flughäfen zum sehr unangenehmen Erlebnis geworden sind. Im Vergleich mit solchen Sicherheitsstandards leben wir in Deutschland immer noch auf einer Insel der Gemütlichkeit.

Weltweit lernen die Sicherheitsbehörden aus jedem Anschlag. Neue Winkelzüge heimischer oder von El-Kaida-Terroristen, ihr Ausweichen auf einfachere Ziele erfordern neue Antworten. Irgendwann wird dieser Wettlauf ungemütlich für die breite Öffentlichkeit. In Deutschland sind wir noch lange nicht so weit. Die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen schränken unsere Freiheiten nicht besonders ein. In anderen Ländern ist das anders, vor allem in Israel.

Vielleicht würden wir etwas vorsichtiger mit unserer Kritik an dem Judenstaat sein, wenn wir selbst unter permanenter Bedrohung durch Terroristen leben müssten. Man kann sich leicht über „Aggressivität“ anderer beklagen, solange man selbst unbehelligt lebt. Selbstmordattentäter und palästinensische Organisationen haben seit September 2000 insgesamt 1 120 Israelis umgebracht – bei einer Gesamtbevölkerung von nicht einmal sieben Millionen Menschen. Nicht auszudenken, was in Deutschland los wäre bei vergleichbaren Opferzahlen.

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