Kommentare
Die Macht der Ökowelle

Megastädte wie Schanghai oder New York überflutet, paradiesische Sonnenziele werden zur Wüste, die Alpen sind bald gänzlich ohne Schnee: Nie zuvor wurden die Gefahren einer globalen Umweltkatastrophe durch den Klimawandel so dramatisch debattiert wie in dieser allzu milden Wintersaison 2006/2007.

Die Öko-welle rollt – und wer ihr ausweichen will, kann nur noch verlieren. Die Wirtschaft reagiert. Die Anti-Klimaschutz-Lobbyisten sind plötzlich verstummt, selbst ihr bisheriger Anführer Exxon Mobil schaltet um auf „Grün“. Investoren schichten ihr Kapital in Firmen um, die es in den Nachhaltigkeits-Index schaffen. Der Prozentsatz, der in grüne Energien und nachhaltige Investments fließt, mag noch gering sein – er wächst rasant.

Aber agieren Wirtschaft und Politik auch? Der runde Klimaschutz-Tisch mit weltweit führenden Wirtschaftsbossen, Vertretern aus Politik und Wissenschaft sowie dem renommierten Chairman Jeffrey Sachs ruft laut nach „Action“ im Sinne Arnold Schwarzeneggers. Sein Bundesstaat Kalifornien ist bekannt für seine strengen Umweltvorschriften. Mit dem Beitritt zur großen Klimaschutz-Initiative haben mehr als 100 Organisationen ihr Wort gegeben, in diese Richtung zu marschieren.

Die breite Beteiligung von Weltkonzernen wie General Electric über Forschungsinstitute bis zu Behörden ist ein bedeutendes Signal, das wirken kann. Von runden Tischen und kräftigen Worten allein wird das Klima aber nicht gesünder. Die involvierten Umweltorganisationen, Mitarbeiter und Kunden, vor allem Investoren müssen in der nächsten Zeit dafür sorgen, dass die gestrige PR-Konferenz nicht Höhepunkt der Aktion war.

Sie werden in den kommenden Wochen und Monaten nachfragen, was Air France konkret in Klimaschutz-Initiativen bewirkt und warum die Franzosen sich dort engagieren, nicht aber die Lufthansa. Sie werden wissen wollen, was die Vorreiter besser und vor allem nachhaltiger machen als ihre Konkurrenz. Und die Öffentlichkeit wird viel stärker als bisher nachforschen, was eigentlich Versorger wie RWE oder Eon gegen den Klimawandel tun, wo doch die Energiebranche für den Ausstoß von einem Viertel aller Treibhausgase verantwortlich ist.

Neue Klimaschutz-Initiativen sind auch ein Zeichen dafür, dass Unternehmen und Organisationen die Rahmenbedingungen für die Begrenzung des Klimawandels mitgestalten wollen. Unternehmen suchen Planungssicherheit. Sie wollen wissen, in welche Technologien sie investieren können, und nicht von neuen Gesetzen auf dem falschen Fuß überrascht werden.

Den verlässlichen Rahmen kann letztlich nur die Politik vorgeben. Das muss sie zügig leisten. Die amtierende EU-Ratspräsidentin Angela Merkel hat im März 27 Staatschefs zu Gast, um die Eckpfeiler der künftigen Umweltpolitik zu beschließen. „Handeln ist das Gebot der Stunde“, hat die Bundeskanzlerin bereits bis nach Washington gerufen. So unmöglich es noch scheint, am Ende alle unter einen Hut zu bringen: Wirtschaftsgrößen aus den USA und Europa signalisieren mit ihrer neuen Initiative, dass die Welle für den Umweltschutz stark wie nie wird.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%