Die offene Flanke der SPD
Anbiederung nach links schadet nur

Bremen ist nicht Niedersachsen. Und Bremen ist nicht Hessen. Mit 660 000 Einwohnern kann sich das kleinste Bundesland größenmäßig gerade einmal mit Frankfurt messen – von der Wirtschaftsstruktur ganz zu schweigen. Auch das gesellschaftliche Milieu an der Weser ist speziell. Es wäre also abwegig, das Wahlergebnis vom Sonntag einfach auf die nächsten Landtagswahlen oder gar den Bund zu übertragen.
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Doch eine Botschaft lässt sich kaum leugnen: Die Linkspartei ist im Westen der Republik angekommen. Erstmals zieht die heterogene Truppe in ein westdeutsches Landesparlament ein. Alle Hoffnungen, die ungleiche Ehe von westdeutschen Protestlern und ostdeutschen PDS-Kadern werde scheitern, erweisen sich fürs erste als trügerisch. Die „Linke“, wie sich die Bewegung anmaßend nennt, ist keine Eintagsfliege: Deutschland bewegt sich auf ein Fünf-Parteien-System zu.

Die Reaktion der SPD auf diese Entwicklung ist hochgradig emotional. Die Genossen leiden, denn zumindest im Westen stammt die Linkspartei vielfach vom eigenen Fleische ab. Viele Gewerkschafter haben Schröders Agenda-Politik den Rücken gekehrt und sehen in der Linkspartei, die bereitwillig ihre Forderungen hochhält, einen bequemen Verstärker. Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine hat dort eine Bühne zur Selbstdarstellung gefunden. Und selbst der grantige Sozialexperte a. D. Rudolf Dreßler droht aus dem Ruhestand mit dem Übertritt zur Konkurrenz.

Das schmerzt. In dieser Situation verhalten sich große Teile der SPD wie eine betrogene Ehefrau. Sie sind verletzt, wettern über den „treulosen Oskar“, poltern im Fernsehen gegen die „PDS oder wie die gerade heißen“ und träumen insgeheim doch von einer Aussöhnung. Das mischt sich mit strategisch-machtpolitischen Erwägungen:

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