Die Rolle der EU
Die sanfte Macht

In der Ukraine konnte verhindert werden, dass eine gefälschte Wahl einfach durchgepaukt wird. Iran hat zumindest vorübergehend auf die Uran-Anreicherung verzichtet. Und in beiden Fällen zeigen die Europäer kaum verhohlenen Stolz. Denn es sind die EU-Regierungen, die in beiden Ländern vermittelten. In Berlin nimmt der Bundeskanzler für sich in Anspruch, mäßigend auf Russlands Präsidenten Putin eingewirkt zu haben.

Die Zufriedenheit ist verständlich. Allzu lange ist die so genannte „soft power“ der Europäer, die Verbindung von Diplomatie und Wirtschaftskontakten, von Amerikanern verlacht worden. Doch nun steht den Erfolgen des europäischen Vorgehens die fragwürdige Bilanz des Einsatzes amerikanischer „hard power“ im Irak entgegen.

Tatsächlich haben sich die transatlantischen Gewichte verschoben. Die gewachsene EU übt vor allem über ihre Wirtschaftskraft einen zunehmenden Einfluss auf ihre Nachbarregionen aus. Zudem besitzen die EU-Regierungen mittlerweile das Selbstbewusstsein, dieses Gewicht auch einzusetzen. Dagegen leidet die US-Diplomatie unter einem Ansehensverlust durch den Irak-Krieg.

Zum Jubilieren besteht für die Europäer aber kein Grund, ihre Erfolge sind unsicher. In der Ukraine steht nicht fest, dass die Entwicklung friedlich verläuft. Sollte Moskau doch direkt eingreifen, wird Schröders Politik für gescheitert erklärt werden. Und dass Iran auf Dauer kooperiert, ist nicht gesichert.

Vor Selbstüberschätzung sollte die Europäer zudem die Erkenntnis schützen, dass ihre diplomatischen Erfolge nur vor dem Hintergrund der US-Macht denkbar sind. Iran muss mit einem US-Militärschlag rechnen, wenn das Land nicht kooperiert. Die Europäer kommen Teheran deshalb gerade recht.

Letztlich führen die USA und die EU das Rollenspiel des „bösen“ und des „guten“ Polizisten auf. Daraus kann durchaus ein Erfolgsmodell für die Zukunft entstehen. Nur einen Fehler dürfen die Europäer nicht machen: vor Begeisterung über ihren „guten“ Part vergessen, dass es ohne den „bad cop“ kein Happy End gibt.

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