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Die Rückkehr der Risiken

Teures Öl und ein schwächerer Dollar bringen die Finanzmärkte in Turbulenzen. Verluste von zehn Prozent im Deutschen Aktienindex in vier Tagen erinnern an die Ausverkaufstage im Frühjahr, als Irak-Krieg, Weltrezessionssorgen und Gerüchte um Bankenpleiten die Börsen abstürzen ließen

Teures Öl und ein schwächerer Dollar bringen die Finanzmärkte in Turbulenzen. Verluste von zehn Prozent im Deutschen Aktienindex in vier Tagen erinnern an die Ausverkaufstage im Frühjahr, als Irak-Krieg, Weltrezessionssorgen und Gerüchte um Bankenpleiten die Börsen abstürzen ließen. Diesmal führen Marktereignisse die Weltwirtschaft aber nicht an den Abgrund, sondern nur in die Realität zurück.

Neu sind weniger die Fakten, sondern der Blickwinkel. So war der Ölpreis schon vor dem überraschenden Opec-Beschluss, die Förderung zu drosseln, hoch; sogar höher als jetzt. Aber: Kalkulationen, wonach der Ölpreis noch lange fallen wird, wenn der Irak befriedet ist und die Produktion dort wieder anläuft, haben die Scheichs durchkreuzt.

Der Vorwurf auf dem Gipfel der großen Wirtschaftsnationen (G7), asiatische Staaten hielten ihre Währung künstlich niedrig, hat alte Risiken wieder ins Bewusstsein geholt: Der Dollar wird fallen, wenn sich Japan und China dem Marktdruck beugen. Das Leistungsbilanzdefizit und die gigantische Verschuldung des Staats und der privaten Haushalte in den USA machen eine Dollarabwertung langfristig unvermeidlich. Nur so wird Amerika – auf Kosten Europas, dessen Exporte dann beeinträchtigt werden – seine Ungleichgewichte in den Griff bekommen. Beide Risiken, Öl und Dollar, waren kurzzeitig ausgeblendet, weil Investoren sich mehr für die anspringende US-Wirtschaft interessierten. Das haben Opec und G7 korrigiert.

Konjunktur und Börsen können mit den Schwierigkeiten leben, solange sie kontrollierbar bleiben. Das bedeutet einen Ölpreis, der nicht deutlich über die Marke von 30 Dollar steigt, und einen Dollar, der nicht ins Bodenlose fällt. Beide Gefahren sind gering: Die Opec wird einem Ölpreisanstieg ebenso entschlossen entgegentreten, wie sie jetzt der Gefahr eines Preisverfalls begegnet. Und ein Dollarverfall bleibt Phantasie, solange Investoren weiter Geld in den Dollarraum pumpen, weil sie der US-Wirtschaft mehr Potenzial zutrauen als Euro-Land mit seinem Bedarf an Strukturreformen.

Die Hoffnung, dass die US-Wirtschaft an Wachstumsraten der neunziger Jahren anknüpft, war überzogen. G7 und Opec führen in den rauen Alltag zurück: Stagnation in Teilen Euro-Lands und ein vom Staat angekurbeltes US-Wachstum.

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