Die Silicon Valley Kolumne
Die Spinnen der Konvergenz

Weltweit lockt der konvergente Kosmos und die Konsumenten folgen seinem Ruf. Futuristische Kameras, Traumhandys, Wunderkonsolen, magische Blackberrys und blütenweiße iPods ziehen - erst auf den Messen, dann in den Läden - die Menschen in ihren Bann. Für die Spinnen dieses digitalen Netzes sind diese Glitzergeräte jedoch nur der Klebstoff für ihr wirkliches Ziel: lukrative Dienstleistungen.

Lange hielt der analoge Winter, doch nun herrscht digitaler Sommer. Ungeachtet des Wirtschaftsklimas stellen Haushalte weltweit auf die schöne digitale On-line-Welt um. Obgleich die überwältigende Mehrzahl der Menschen dieser Welt - man kann es kaum glauben - nicht auf die Cebit geht, braucht man nur in den nächsten Elektronikladen zu spazieren, um festzustellen, dass es die früheren kilometerlangen Wände voller Audiogeräte und Kompaktanlagen einfach nicht mehr gibt. Stattdessen buhlen nun mp3-Player (wahlweise iPods), Digitalkameras, Spielekonsolen und Flachbildschirme um unsere Gunst.

Gerade während dieses Booms jedoch denken die innovativsten Elektronikhersteller über ihr Geschäftssystem nach. Sie wissen um die Vergänglichkeit der fetten Jahre und der Alltag der Konsumentenelektronik ist von weltweiten Überkapazitäten und beinhartem Preiswettbewerb geprägt. Und doch geht es auch anders.

Lehrmeister Kodak ?

Am 1. Januar 1881 gründete George Eastman gemeinsam mit Henry Strong die George Company, die spätere Eastman Kodak. Geschäftsgrundlage war die Versorgung professioneller Fotographen mit so genannten Trockenplatten. Das waren emulsionsbeschichtete Glasplatten, die man in die damaligen Kameras setzte, um Bilder zu machen. George Eastman erkannte bald, dass ein massenmarktfähiges Produkt ein einfacheres Material als Glas verwenden musste. Uns so beglückte er die Welt der Photographie zwei Jahre später mit den ersten Filmrollen. Er dachte, er hätte es geschafft.

Und doch wollte das Geschäft nicht abheben. Die Filmrollen waren bei vielen Photographen sehr beliebt - aber eben nur bei vielen Photographen. 1888 nun revolutionierte George Eastman die Photographie wirklich: Zunächst brachte er die Kodak-Kamera heraus, die sehr leicht bedienbar war. Inklusive Film für 100 Bilder machte er sie für 25 Dollar erhältlich. Wichtiger jedoch war, dass er einen einfachen Entwicklungsservice einführte: Nach der Belichtung ging die gesamte Kamera zur Eastman nach Rochester zurück. Dort wurde der Film entwickelt, es wurden Abzüge gefertigt, ein neuer Film eingelegt. Preis des Services: 10 Dollar. Die Spinne hatte ihr Netz gesponnen! Das ganze wurde mit einem Werbefeldzug ungeahnten Ausmaßes begleitet. Motto: You do the clicking, we do the rest! (?Sie drücken auf den Knopf, wir erledigen den Rest?). Und siehe da, in kurzer Zeit war der Massenmarkt erobert. Die Kodak-Kamera war nur der Köder gewesen. In Wirklichkeit hatten über hundert Jahre eines hochlukrativen Geschäfts mit Filmentwicklung begonnen.

? und seine Nachahmer

Wenn der Pionier die Arbeit einmal gemacht hat, ist das Leben nur noch halb so schwer. Und so gab es im Laufe der Zeit zahlreiche Nachahmer, welche noch heute zu den profitabelsten Unternehmen der Consumer-Elektronik gehören: HP könnte seine Drucker ebenso gut verschenken, denn das Geld wird mit den ach so schnell versiegenden Druckerpatronen gemacht. Und Sonys Playstations sind nicht viel mehr als trojanische Pferde für die dann unvermeidlich von Sony zu beziehenden Spiele. Und ja, auch unsere geliebten Ein-Euro Handys kommen überraschenderweise mit den ?handelsüblichen? Serviceverträgen.

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