Dresden wählt nach
Grinsen bis zum Abwinken

Die Dresdener können einem schon leid tun. Niemand muss so unter dem Koalitionsgerangel in Berlin ächzen wie derzeit die Wähler in der Stadt an der Elbe. Es gibt rund um die wunderschöne Frauenkirche kaum einen Laternenpfahl mehr, von dem nicht Politikergesichter die Bürger angrinsen.

Bis zu fünf auf einmal. Vor Supermärkten, Schulen oder in den Fußgängerzonen lauern den Dresdenern junge, motivierte Wahlkampfhelfer auf, geben ihnen zum x-ten Mal ihre Broschüren mit nach Hause. Dort wandern sie meist ungelesen in den Mülleimer.

Um das klarzustellen: Den Wahlkampf auch in der Verlängerung zu führen ist das gute Recht und die Pflicht der Parteien. Mit welchem Aufwand und vor allem mit welcher Motivation sie ihn führen, das aber muss man kritisieren.

Mittlerweile weiß jeder: Die Abstimmung in Dresden verändert letztendlich am Kräfteverhältnis nach der Bundestagswahl nichts. Die SPD müsste das Direktmandat gewinnen und zusätzlich 200 000 Zweitstimmen erreichen, um ein Patt im Bundestag herbeizuführen. Eine reine Utopie bei 219 000 Stimmberechtigten im Wahlkreis 160.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlerkandidatin Angela Merkel geht es offenbar nur um die psychologische Wirkung des Wahlergebnisses in Dresden. Sie wollen eine "Volksabstimmung im Kleinen" abhalten. Wenn die CDU gewinnt, lautet die Botschaft: "Wir sind die stärkste Fraktion", die CDU und CSU aber schon waren. Siegt die SPD, kann sich Schröder wieder wohler im Kanzleramt fühlen, auch wenn sich für SPD und Union nichts verändert hat.

Der Wähler muss wieder einmal herhalten. Auf dem Rücken der Dresdener wird das derzeit stattfindende "Hardball"-Spiel ums Kanzleramt ausgetragen. sig

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