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Dresdner-Übernahme: Commerzbank-Chef wird zum Getriebenen

Die Fusion von Dresdner und Commerzbank wird kommen, weil alles andere eine Desaster wäre. Aber sie erfolgt zum völlig falschen Zeitpunkt. Commerzbank-Chef Martin Blessing steht immer mehr unter Druck, damit die Konditionen möglichst gut sind.

Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank, steht unter Druck. Foto: ap Quelle: ap
Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank, steht unter Druck. Foto: ap Quelle: ap

Martin Blessing, der umtriebige Chef der Commerzbank, ist vor vier Monaten wie ein Marathonläufer gestartet. Das Ziel, bis zum Jahreswechsel die Übernahme der Dresdner Bank unter Dach und Fach zu bringen, schien erreichbar. Dann aber ist das passiert, was Bankern noch immer die Haare zu Berge stehen lässt: die Lehman-Pleite. Seit dem ist nichts mehr, wie es war. Der umtriebige Blessing ist zum Getriebenen geworden, der Marathonmann schwer ins Stolpern geraten. Wenn er stürzt, werden Banker den Commerzbank-Deal fast in einem Atemzug mit der Lehman-Pleite nennen. Damit das nicht passiert, muss Blessing sein Ziel doch noch erreichen.

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Allerdings sind die Hindernisse inzwischen turmhoch. Die Commerzbank selbst sitzt auf Risiken, die sie beim vereinbarten Kauf der Dresdner anders einschätzte als heute. Sie hat zum Beispiel mit der Eurohypo eine Tochter, die ein Geschäftsmodell betreibt, das dem der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate zum Verwechseln ähnlich ist. Wichtigster Unterschied zwischen den beiden Immobilienfinanzierern ist, dass der eine selbstständig und an der Börse ist und der andere die Commerzbank als Mutterkonzern hat. Die Folge ist nicht, dass es der Eurohypo viel besser geht. Nur müssen die Probleme eben nicht so transparent gemacht werden. Sicher ist, dass die Commerzbank einen langen Atem braucht, um den hauseigenen Immobilienfinanzierer zu stabilisieren.

Wenn sich trotz solcher Risiken Commerzbank und Dresdner letztlich unter Schmerzen vereinen, addieren sich bei beiden Instituten aber nicht nur die Stärken, sondern eben auch die Schwächen. Zu denen gehört, dass beide zusammen etwa 460 Mrd. Euro an Krediten in ihren Büchern stehen haben. Wenn die Rezession so heftig ausfällt wie erwartet, wird manches Unternehmen seine Kredite nicht zurückzahlen können. Für die Bank ist das bitter, weil damit hohe Abschreibungen drohen.

Natürlich kennt Blessing diese Probleme so gut wie kein Zweiter. Und wahrscheinlich hat er in einer stillen Stunde den Deal bereits verwünscht. Ihn deswegen abzublasen steht jedoch nicht zur Diskussion. Nicht nur für Blessing selber wäre es eine Blamage. Auch für die beteiligten Institute kann es nur noch darum gehen, zusammenzufinden oder auf Dauer als selbstständige Banken zu verschwinden: Bei der Dresdner Bank zeigen sich bereits Auflösungerscheinungen in der Belegschaft, die nicht mehr zu stoppen sind. Und eine Commerzbank ohne den angestrebten Partner wäre derart schwach, dass sie in Kürze zum Übernahmeziel ausgerufen würde.

Es gibt also für Blessing keine Chance auf Umkehr. Es gibt nur den Weg, an allen Fronten zu verhandeln: Bei der Allianz als der ehemaligen Mehrheitsbesitzerin der Dresdner Bank versucht Blessing rauszuholen, was rauszuholen ist. Sein Angebot lautet: Geschwindigkeit gegen Preisnachlass. Er setzt darauf, dass der Versicherer die Bank lieber heute als morgen loswerden will. Die Rechnung geht auf. Den ersten Preisnachlass hat Blessing im November ausgehandelt, gegen eine beschleunigte Fusion und eine höhere Cashzahlung, die er leisten muss. Die ohnehin nicht üppige Kernkapitalquote der Commerzbank dürfte dadurch allerdings weiter sinken. Auch beim Soffin hat er angeklopft, um Geld aus dem Rettungsfonds zu erhalten. Er bekommt es, allerdings zu einem hohen Preis. Die Zinsen, die die Commerzbank für die Staatshilfe zahlen muss, belasten die Bilanz auf Jahre.

Und sie verschieben die Perspektive: Ob Blessing ans Ziel kommen wird und aus Commerzbank und Dresdner ein Institut schmiedet, ist nicht mehr die Frage. Entscheidend ist, wie es dann weitergehen soll. Die Konkurrenz nutzt schon jetzt die Gunst der Stunde und jagt dem verwundbaren Gebilde verunsicherte Kunden ab. Daneben drohen der neuen Bank weitere schmerzliche Wertberichtigungen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass strategisch der Deal für die Commerzbank den einzigen Weg darstellte, um sich für die nächsten Jahre international ihren Platz zu sichern. Deswegen steht die Politik hinter dem Geschäft, und deswegen kann Blessing auf offene Ohren in Berlin zählen. Nur leider bleibt die Erkenntnis, dass der Deal zum völlig falschen Zeitpunkt abgeschlossen wurde.

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