Dresdner-Verkauf an Commerzbank
Allianz hat ausgeträumt

Endlich! So seufzen alle erleichtert auf, die es gut mit der Allianz meinen. Endlich ist der wichtigste Versicherungskonzern der Welt sein ungeliebtes Bankgeschäft wieder los.

Sieben Jahre lang war die Dresdner Bank ein lästiger Klotz für die Münchener. 24 Milliarden Euro hat das Institut einmal gekostet. Sechs Milliarden steckte der Konzern bestimmt noch mal in Sanierung und Umstrukturierung. Das macht zusammen 30 Milliarden. Für knapp ein Drittel davon ging sie nun an die Commerzbank. Schon diese nackten Zahlen zeigen, welch eine gigantische Fehlinvestition der Kauf dieser Bank war.

Manche rechnen jetzt dagegen, dass die Dresdner Bank heute auch nicht mehr das ist, was sie einmal war. Das gilt etwa für die Vermögensverwaltung. Doch darüber darf nicht vergessen werden, dass zunächst auch keine zehn Milliarden in der Kasse der Allianz klingeln, sondern nicht mal ein Fünftel davon.

Es ist erstaunlich, wie salopp die heutigen Akteure über diese Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen hinweggehen. Doch erinnern wir uns. Am Anfang der Fusion von Allianz und Dresdner stand wie so oft ein großer Traum. Einige Manager, die am Ende ihrer langen Karriere standen, wollten es allen anderen noch mal richtig zeigen und mit einem Paukenschlag abtreten.

Zu allem Unglück lieferte die Börse um die Jahrtausendwende auch noch den richtigen Nährboden für die großen Entwürfe einer schönen neuen Finanzwelt. Ob Girokonto, Hausratversicherung oder Investmentfonds, alles sollte unter einem Dach an den Kunden gebracht werden. Davon sind viele inzwischen wieder völlig abgekommen, schon weil es in der Praxis viel schwieriger ist als in den Planspielen der Stabsabteilungen.

Alle diese klugen Finanzleute haben zudem nicht das Marktgeschehen einkalkuliert. Denn was nach der Fusion von Allianz und Dresdner passierte, hat keiner so erwartet: Zuerst fielen die Börsenkurse jahrelang. Dann erholten sie sich nur langsam. Und als das Bankgeschäft gerade wieder richtig zu laufen schien, entwickelte sich in Amerika am Hypothekenmarkt das nächste Desaster.

Zum Glück, denn ohne die Finanz- und Börsenkrise der vergangenen zwölf Monate wäre die Dresdner heute wohl noch bei der Allianz. Erst das Milliardendrama in vielen Bankbilanzen gab den Managern der Allianz den entscheidenden Anstoß, ihre ungeliebte Banktochter loszuwerden.

Das gelang am Ende sogar so gut, dass die Münchener im Moment als Gewinner dastehen. Analysten loben sie. Nach sieben mageren Jahren ist damit an der Börse die Basis gelegt worden, damit der Kurs wieder steigen kann. Vorerst aber nur langsam. Schließlich sind der Verkauf von Versicherungen und die Verwaltung von Vermögen nichts, was für schnelle und große Sprünge des Aktienkurses sorgen könnte. Dazu ist beides zu bodenständig.

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