Duales System
Gelber Sack in die Tonne

Die Mülltrennung ist der Deutschen liebstes Kind. Mit Fleiß und Wonne sortieren sie Joghurtbecher, spülen entleerte Milchtüten, bevor sie im gelben Abfallsack landen – und nehmen stoisch den Spott aus den Nachbarländern in Kauf, in der Überzeugung, einer guten Sache zu dienen.

Damit ist es nun vorbei. Die Recyclingquoten für den kompletten Hausmüll könnten heute fast fünfmal so hoch sein – vorausgesetzt, man verzichtet auf die gelbe Tonne des DSD. Das zeigen Tests der Entsorgungsfirma RWE Umwelt. Denn anders als anno 1991 gelingt es den Entsorgern inzwischen problemlos, den gesamten Müll säuberlich nach Wiederverwertbarem zu durchsuchen. Das Geschäftsmodell der Grünen-Punkt-Lizenzgeber steht damit vor dem Aus – deshalb bleiben Studien wie die von RWE Umwelt vorerst unter Verschluss.

Viel Geld steht auf dem Spiel: Fast 1,9 Milliarden Euro sind die Deutschen bereit, Jahr für Jahr in ihre Sortierleidenschaft zu investieren. Mit ihnen erkaufen sich manche weitaus mehr als eine funktionierende Müllentsorgung: ein reines Umweltgewissen.

Der Deutsche ist stolz auf den scheinbar hohen Umweltstandard, den ihm das Duale System Deutschland (DSD) mit seinem Grünen Punkt seit 13 Jahren beschert. Längst vergessen sind anfängliche Berichte über Mülltourismus nach Rumänien und Indonesien.

Solange die Kölner Gesellschaft ihr unsinniges getrenntes Sammelsystem verteidigt, bleiben auch die Preise für den Grünen Punkt auf einem künstlich hohen Niveau. Vor allem die getrennte Abfuhr von Verpackungs- und Restmüll verursacht unnötige Kosten. Die Zeche dafür zahlt der Endverbraucher indirekt über den Grünen Punkt.

Der Vorstoß des Kartellamts zur Veränderung des DSD-Aktionärskreises ändert nichts an der Sache. Im Gegenteil: Ausgerechnet die großen Handels- und Konsumgüterkonzerne sollen ausscheiden. Dabei waren sie es, die bislang im DSD auf möglichst niedrige Lizenzgebühren drängten. Einziger Lichtblick: Angesichts der neuen Konkurrenten Landbell und Interseroh wird sich das DSD am Ende vielleicht doch noch dazu durchringen, die teure Getrenntsammlung an den Nagel zu hängen.

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