EADS
Französische Veranstaltung

Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Monatelang haben Bundesregierung, Daimler-Chrysler und diverse Großbanken über die Zukunft der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie diskutiert. Konkret: Was soll geschehen mit jenen Anteilen der Airbus-Mutter EADS, die Daimler nicht mehr haben will?

Es schien um Ehre und Vaterland zu gehen und darum, dass Deutschland in einer Zukunftsbranche Flagge zeigen muss. Dass es wohl eher ums Geld ging, lässt sich am schnöden Ergebnis ablesen: Die Banken übernehmen zeitlich befristet stimmrechtslose Vorzugsaktien, die auf einer Derivatekonstruktion aufbauen. Alles klar? Zwei Dinge kann man daraus ablesen: Erstens muss es ein Gezerre wie auf dem Basar gewesen sein, sonst hätten sich die Beteiligten auf eine einfachere Lösung geeinigt. Zweitens: Die deutsche Seite im EADS-Konzern schwächelt. Während die Regierung in Paris alles daransetzt, ihren Einfluss zu stärken, zieht jene in Berlin den Kopf ein.

Ordnungspolitisch hat dies seine Richtigkeit. Schließlich ist es nicht Sache der Politik, sich in privaten Unternehmen zu engagieren. Industriepolitisch aber ist das Ergebnis ernüchternd. Es wird nämlich dazu führen, dass sich EADS-Airbus mehr und mehr von einer europäischen zu einer französischen Veranstaltung wandeln wird. Mit allen Konsequenzen: für die Standorte, die Produktpolitik, die Zulieferstrukturen. Nun mag man einwenden, dass sich nichts an den Leitungs- und Lenkungsmechanismen des Unternehmens verändern werde. Der deutsch-französisch-spanische Aktionärspakt bleibe schließlich bestehen. Formal sind die Gleichgewichte gewahrt. Darauf lässt sich mit einem Zitat des großen italienischen Bankiers Enrico Cuccia antworten: „Aktien werden nicht gezählt, sie werden gewogen.“

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