EADS
Kommentar: An der Leine

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Angela Merkel und Nicolas Sarkozy werden heute Nachmittag die neue Managementstruktur der EADS als großen Durchbruch verkaufen. In Wirklichkeit aber beseitigt die Reorganisation der Führungsgremien und Neuverteilung der Schlüsselpositionen im Unternehmen lange nicht alle Probleme, die den wichtigsten europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns heute lähmen. Die Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitze sowohl im Vorstand als auch im Verwaltungsrat ist bestenfalls ein Zwischenschritt für EADS auf dem Wege zu einem ganz normalen Unternehmen.

Denn auch nach der Veränderung der Struktur bleiben zu viele Unklarheiten in Bezug auf die Governance und zu viele politische Einflussmöglichkeiten. Und es bleibt das tief in der DNA des Konzerns sitzende nationale Proporzdenken. Künftig steht ein Deutscher, der Daimler-Manager Rüdiger Grube, an der Spitze des Verwaltungsrats, also des Kontrollgremiums. Ein Franzose, Louis Gallois, wird hingegen alleiniger Chef der Holding EADS. Ein Deutscher wiederum leitet die wichtigste EADS-Tochter, den Flugzeugbauer Airbus. Der französische Staat bleibt Großaktionär, ebenso wie auf der deutschen Seite der Daimler-Konzern.

Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass Interessenkonflikte nationaler Natur bei EADS auch weiterhin programmiert sind. Erst wenn die Politik ihre Hand abzieht und ihre Beteiligung verkauft, wird EADS nach strikt marktwirtschaftlichen Kriterien geführt werden und nachhaltig Werte für die Aktionäre und Mitarbeiter schaffen. So lange politische Kriterien zählen, bleibt EADS ein gefesselter Konzern.

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