EADS
Moskauer Mauscheleien

Gut gemeint ist bekanntlich etwas anderes als gut gemacht. Das gilt auch für den Einstieg der Russen beim europäischen Verteidigungs- und Luftfahrtkonzern EADS.

Nichts spricht gegen eine Beteiligung russischer Konzerne am Vorzeige-Gemeinschaftskonzern der Europäer, Ängste sind unangebracht. Doch das russische Vorgehen, Mauscheln und geheimer Aktienzukauf, schüren genau diese.

Russische Konzerne haben leider noch immer nicht gelernt, dass westliche Märkte anders ticken als ihr Wild-Ost-Kapitalismus Moskauer Prägung. Hier ist es sinnvoll, gerade in sensiblen Bereichen wie Raumfahrt, Flugzeugbau und Rüstung mit offenem Visier anzutreten. Wenn der Kreml oder seine Staatsbank Vneshtorgbank offen sagen würden: „Wir kaufen eine EADS-Beteiligung für unseren Flugzeugbaukonzern OAK“ – wer im Westen könnte ernstlich etwas dagegen haben? Dies würde die politisch gewollte stärkere Integration Russlands in Europa vorbildlich beflügeln.

Schon einmal haben Russen den gleichen Fehler gemacht: Der geplante Kauf des bayerischen Flugzeugbauers Fairchild Dornier wurde nicht offen kommuniziert und in Deutschland so falsch verstanden, als wollte der Oligarch Oleg Deripaska das Werk kaufen und nach Russland schaffen. Der Deal platzte, die Chinesen stiegen ein, und heute ist die Firma tot. Vernünftige Kommunikation hätte eine sachliche Diskussion mit Russland ermöglicht, und am Ende wären beide Seiten Sieger gewesen – neue russische Manager und deutsche Arbeiter. Russland kann mehr, als nur Ängste wecken. Wir sollten Moskau den Weg nach Europa sogar erleichtern, auf Kooperation setzen und nicht das Kommando „Schotten dicht“ ausgeben. Aber dazu gehören immer zwei offene und faire Partner.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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