EADS
Schleichende Airbus-Verstaatlichung

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Ein denkwürdiger Tag für die deutsche Industriepolitik: Drei deutsche Werke des Flugzeugherstellers Airbus gehen an das Bremer Technologieunternehmen OHB. Mit mehreren Hundert Millionen Euro aus deutschen Staatskassen wird dem Mittelständler der Einstieg subventioniert und ein amerikanischer Konkurrent aus dem Feld geschlagen.

Es ist ein Angebot, dass die Airbus-Mutter EADS nicht ablehnen konnte: Fast sämtliche Risiken künftiger Flugzeugproduktionen werden auf den Steuerzahler abgewälzt. Für eine Branche, die derzeit den längsten Boom ihrer Geschichte erlebt, ist so viel staatliche Fürsorge schon erstaunlich.

Doch wirtschaftliche Vernunft spielt bei dem Deal keine Rolle. Die Bundesregierung wollte um jeden Preis einen deutschen Investor, um zumindest auf dem Papier Augenhöhe mit den französischen Partnern zu halten.

Aufgeschreckt von der schwelenden Airbus-Krise, suchte Berlin hektisch einen Käufer für die deutschen Standorte in Varel, Nordenham und Augsburg. Geschickt dramatisierte das EADS-Management in den letzten Wochen die Probleme des Flugzeugherstellers. Zusätzliche Milliardenverluste drohten wegen des Dollar-Verfalls, ließ Konzernchef Louis Gallois verbreiten. Airbus-Chef Tom Enders malte vor deutschen Betriebsräten ein Untergangsszenario an die Wand.

Für so viel Krise ist in Deutschland traditionell der Staat zuständig. Und so schnürte die Bundesregierung ein mit reichlich Zuckerguss verziertes Weihnachtspaket, weil sie nicht anders konnte.

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