Edle Sportwagenschmiede
Maseratti von der Mutter herumgeschubst

Autoenthusiasten bewundern die Marke mit dem Dreizack, doch beim italienischen Fiat-Konzern wird Maserati zurzeit herumgestoßen wie ein ungeliebtes Kind.

FRANKFURT. Anfang des Jahres wurde die Marke von der ehemaligen Mutter Ferrari getrennt und mit Alfa Romeo unter einem Dach zusammengeführt. Offizielle Begründung: Synergien zwischen den beiden Sportwagenmarken. Doch schon damals war klar: Fiat-Chef Sergio Marchionne nabelt die verlustreiche Marke ab, um den Börsenkandidaten Ferrari von einer finanziellen Last zu befreien. Nun wird Maserati schon wieder von Alfa entwöhnt.

Zumindest deuten die personellen Änderungen, die sicherste Konstante im Fiat-Konzern, darauf hin. Karl-Heinz Kalbfell, vor einem Jahr vom Ex-Fiat-Autochef Herbert Demel bei der BMW-Tochter Rolls Royce abgeworben, verliert die Verantwortung für Alfa und ist künftig nur noch für Maserati direkt zuständig. Dass er sich daneben mit der Aufgabe schmücken darf, die strategische Entwicklung beider Marken voranzutreiben, klingt in der Sache nicht logisch. Vielmehr sieht es so aus, als ob Marchionne, dem eher ein Rechenschieber im Kopf als Benzin im Blut nachgesagt wird, die Geduld mit Maserati endgültig verloren hat. Der Marke, die einmal als Porsche-Gegner aufgebaut werden sollte, ist es nie gelungen, auf profitable Stückzahlen zu kommen. Nur gut 4 000 Wagen fanden 2004 einen Käufer. Maserati könnte nur dann Gewinne einfahren, wenn exorbitant hohe Preise erzielt oder die Entwicklungs- und Produktionskosten durch Synergien mit anderen Modellen des Fiat-Konzerns extrem niedrig gehalten werden können.

Beide Lösungen scheinen nicht realisierbar. Die operative Trennung deutet darauf hin, dass zwischen dem frontgetriebenen Alfas und den heckgetriebenen Maseratis technologisch kaum Sparpotenziale zu heben sind. Auf die große Vertriebsoffensive über das Händlernetz sind die Alfa-Betriebe zudem nicht vorbereitet. Maserati scheint einfach nicht in den Fiat-Baukasten von Marchionne zu passen.

Die naheliegende Schlussfolgerung: Maserati wird abgetrennt und damit die Tür für potenzielle Partner oder Käufer weit aufgestoßen. So könnte sich Toyota für die edle Sportwagenschmiede interessieren. Synergien gäbe zwar kaum, doch im Gegensatz zu Fiat könnten sich die Japaner das Hobby Maserati finanziell ohne Probleme leisten. Auch die koreanische Hyundai hätte die Mittel dazu, sich eine sportliche Variante zuzulegen und damit das Image kräftig aufzupolieren.

Und schließlich wäre Maserati für chinesische Markteroberer ein schöner Happen. Sie bekämen viel High-Tech, wenig Altlasten und eine entwicklungsfähige Marke. Dass sich bei dem Gedanken dem eingefleischten Maserati-Fan der Magen umdreht, ist für Marchionne kein Argument. Sicher würde die Marke angestammte Kunden verlieren, doch das wäre mit einer etwas niedrigeren Positionierung im Markt leicht wettzumachen. Schließlich macht GM im Massenmarkt mit der Umbenennung von Daewoo in Chevrolet gerade vor, dass auch mit einer Umetikettierung Erfolg zu erzielen ist.

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