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Effektvoller Auftritt

Selten war eine Bücherschau derart politisch wie die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr. Der Gastauftritt der arabischen Welt war lange umstritten: Die Angst war groß, dass die Messe zum Spielball totalitärer Propaganda werden könnte. Heute aber zeigt sich, dass diese Angst nicht berechtigt war. Die arabische Präsenz in Frankfurt wird positive Effekte auf das kulturelle und politische Verhältnis des Westens zu den Ländern Arabiens haben.

Für Spannungen sorgte der Zwist innerhalb der Arabischen Liga. Sie ist diffus organisiert. Es gibt keinen gemeinsamen Buchmarkt, der kulturelle Austausch der Länder untereinander scheitert häufig an politischen und bürokratischen Hürden. Von den 22 Mitgliedsländern verzichteten Libyen, Marokko, Algerien, Kuwait und der Irak auf die Teilnahme.

Und auch die Liste der 200 Schriftsteller, die offiziell nach Frankfurt reisen durften, sorgte für Auseinandersetzungen. Zu viele linientreue Schreiberlinge, zu wenig kritische Autoren stünden auf dem offiziellen Programm, monierten Intellektuelle. Unter den Skeptikern waren bekannte Namen wie Nagib Machfus. Aber der Literaturnobelpreisträger hat seine Meinung inzwischen revidiert. Er sei nun begeistert von der Chance für Autoren und Künstler, der Welt ein differenziertes Bild der Region zu vermitteln, ließ er die Frankfurter Messeveranstalter wissen. Seine Rede gehörte gestern zum Eröffnungsprogramm. Der Ärger wurde auch dadurch abgemildert, dass viele Autoren, die nicht zum offiziellen Programm gehörten, inzwischen von ihren Verlagen oder von politischen Organisationen eingeladen wurden.

Der Auftritt der arabischen Gäste wirkt schon jetzt. Arabische Literatur erlebt in Deutschland einen kleinen Boom. Normalerweise erscheinen pro Jahr maximal 15 Titel arabischer Autoren in deutscher Sprache. In diesem Jahr hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Und dieser Effekt dürfte nachhaltig sein. Denn infolge des Gastland-Auftritts wird in Ägypten ein Fonds ins Leben gerufen, der auf Jahre hinweg Übersetzungen arabischer Literatur finanzieren wird.

Die Buchmesse hat großen Mut bewiesen, als sie die arabische Welt nach Frankfurt einlud. Der Schritt war richtig.

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